Kurz nach dem Volksaufstand, der den despotischen Präsidenten Ferdinand Marcos zur Flucht zwang, reiste ich 1986 auf die Philippinen – und fand ein wirtschaftliches Brachland vor.
Als ich mit dem Chef der Zentralbank Bier trank und Sandwichs ass, kam sein Assistent mit einer mechanischen Rechenmaschine in den Raum, damit ich die monatlichen externen Kapitalströme ermitteln konnte. Es war kein schönes Bild. In heutigem Geld hatte die Familie des Diktators schätzungsweise 100 Milliarden Dollar gestohlen – ein Guinness-Weltrekord. Seine Frau Imelda wurde zum Synonym für Gier, ihre Sammlung von 2700 Paar Designerschuhen zum Symbol für ihre Verschwendungssucht.
Abgesehen von offenem Diebstahl blieb das Land auf riesigen Schulden für «weisse Elefanten» sitzen – geplatzte Infrastrukturprojekte. Allein zwei Milliarden Dollar wurden für ein Atomkraftwerk ausgegeben. Es ist inzwischen eingemottet und hat nie ein einziges Watt Strom produziert.
Um seine Herrschaft aufrechtzuerhalten, erstellte Marcos Todeslisten für Regimefeinde. Amnesty International und andere Menschenrechtsgruppen stellten fest, dass es während des Marcos-Regimes 3257 bekannte aussergerichtliche Tötungen und 35.000 dokumentierte Fälle von Folterungen gegeben hat.
Der Erdrutschsieg, mit dem Marcos’ China-freundlicher Sohn Ferdinand «Bongbong» diese Woche zum Präsidenten wurde, ist daher ebenso erstaunlich wie alarmierend.
Wer sagt, dass sich Verbrechen nicht auszahlt?
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Wahrscheinlich sind die Zahlen der gestohlenen Gelder so falsch wie die Jahreszahl 1968.
Auch ich war oft in the Philippinen zwischen 1975-2015. Unter Marcos war Manila eine schöne
sichere Stadt. Nach seinem Sturz Mitte der 80er Jahre, habe Imelda’s Schuhe (wahrscheinlich einige hundert) gesehen. Das Volk hat jubiliert, aber die folgenden Regierungen wurden immer schlechter und der Lebensstandard hat sich sicher nicht verbessert. Noch immer herrscht Korruption und Vettern Wirtschaft.
Normalos werden für Bagatellen oder Verbrechen bestraft. Lebt man über einer gewissen Schicht, kann strafrei und bis zur verjährung weiter agiert werden. China inklusive.
Die Filipinos sind wirklich etwas "Bong-Bong" jetzt nach 36 Jahren diese diktatorische Kleptkratenfamilie wieder zu wählen nachdem sie sie dereinst zum Teufel gejagt haben und mit Duterte haben sie ja auch ein diktaturähnliches Vorgschmäckli bekommen. Nur war ein Grossteil der heutigen Wähler vor 36 Jahren gar noch nicht auf der Welt oder erst Kinder und haben darum gar keine Ahnung was auf sie zukommen wird. Aber was solls, jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient.
Bin das erstemal 1981 auf den Philippinen gewesen, und war dan mehrmals in den folgenden Jahren öfters dort, es war nicht zuleugnen das es den Philipinos unter Marcos besser ging alls unter anderen Presidenten, was die Philippinen sicher nicht mehr brauchen ist eine scheinheilige Demokratie unter einer Frau. Frauen sind und das siehtman Weltweit nicht Besser als Männer. Sie BRD, Europa, Schweiz und sonst auf der Welt, überall wo Frauen Regieren herscht Koruption und Chaos.
So einen realitätsfremden Blödsinn, den Sie da von sich geben! Finnland, Dänemark, Norwegen, Island, Schweden, New Zealand haben alles Frauen als Regierungscheffinnen und gehören zu den Ländern mit der geringsten Korruption weltweit.
Putin hat mit seinen Oligarchen dem Russischen Volk ein Vielfaches der 100 Mia gestohlen….und wird hier in der WW angehimmelt…..?
So gesehen, "stiehlt" jeder Staat Geld von den Bürgern.
Können Sie ein Beispiel nennen, wo Putin in der Weltwoche angehimmelt wurde? Meiner Meinung nach wird relativiert und verschiedenste Stimmen kommen zu Wort.
Bei Marcos denke ich immer an einen Schuhverkäufer für gebrauchte Schuhe.
Damals gab es wohl noch keine Louboutin Pumps für Imelda. Wie auch immer, ich denke die Mehrheit wollte diese Familien wie Marcos oder Duterte nicht und haben sie auch nicht gewählt. Diese Korruption in diesem Land ist eine Last und wird sich wohl nie ändern. Hauptsache, in gewissen Regionen ist seit rund zwei Wochen wieder Lockdown. Daher konnten auch nicht alle wählen gehen.
Hierauf was Vernünftiges zu schreiben, ist mir nicht möglich. Mir fliegt gleich das Blech weg ...
"Kaufen Sie Aktien von OCP und Sie können mitbestimmen. Was ist demokratischer als dass?" Zitat aus Robocop ca.1986. Ist das die Art Demokratie, die uns atlantisch oder pazifisch verkauft wird?
Auf das, was in der Schweiz z.Zt. abgeht, gibt es auch nichts mehr Vernünftiges zu schreiben.
1968, kurz nachdem Marcos durch den Volksaufstand flüchten musste. Verwechselt der Autor hier nicht etwas?
Zahlendreher 1986
1968 wäre Francis Pike mit Jahrgang 1954 gerade mal 14 Jahre alt gewesen und dass er damals mit dem Zentralbankenchef Bier getrunken hat, das ist doch höchst unwahrscheinlich und ja Marcos wurde 1986 zum Teufel gejagt.
Normale Vorgang - Pest oder Cholera. Eine Sache freut mich, dass die Schuhfabriken en Vogue werden, wie es Mutter immer geliebt hat. Warum nicht noch 2-3 Atomkraftwerke? Da kann man extra Milliarden bei Seite schieben. Watt hin oder her...wer interessiert das?