Die australische Regierung zieht die Notbremse und verweigert Novak Djokovic die Einreise nach Melbourne und damit die Teilnahme am Australian Open. «Niemand steht über den Regeln», sagt Premierminister Scott Morrison und nimmt damit diplomatische Querelen mit Serbien in Kauf, von wo Präsident Aleksandar Vucic bereits eine Protestnote nach Down Under gesendet hat.

Auch Srdjan Djokovic, der Vater des Tennisspielers, wittert eine globale Verschwörung. Er sagt in den Medien in bedeutungsschwangeren Worten: «Mein Sohn ist heute Nacht in australische Gefangenschaft geraten, aber er war noch nie freier.» Novak sei nun «zum Symbol und Führer der freien Welt geworden». Er sei der «Spartakus der neuen Welt, die keine Ungerechtigkeit, Kolonialismus und Heuchelei duldet, sondern für die Gleichberechtigung aller Menschen auf dem Planeten kämpft».

Vielleicht lasse «die reiche Welt» Novak nicht mehr Tennis spielen, aber dadurch habe sie ihr wahres Gesicht enthüllt und ein viel ernsteres Spiel beginne nun: «Auf der einen Seite gierige Mitglieder der Weltoligarchie, auf der anderen die ganze freiheitsliebende und stolze Welt, die immer noch an Gerechtigkeit, Wahrheit, Fairplay und die Träume ihrer Kinder glaubt.»

Der Beobachter aus der Schweiz schwankt zwischen Staunen und Belustigung – und kann gleichzeitig die australische Null-Toleranz-Regel nicht ernst nehmen. Denn spätestens die Omikron-Variante beweist zwei Dinge: Die Impfung schützt nicht vor einer Ansteckung. Und Covid-19 ist (für gesunde Menschen) kaum mehr als eine Grippe – und kann kein Grund sein, vom Beruf fernzubleiben.

Das gilt für Gastronomieangestellte, Hochschulprofessoren, Journalisten und Profitennisspieler.