Das Corona-Virus breitet sich auch in Spanien rasant aus und überfordert die Statistiker und die Testzentren. Deshalb will Madrid die Covid-19-Erfassung so handhaben, wie es seit Jahren bei der Grippe praktiziert wird.

Im neuen System sollen nicht mehr alle Fälle gezählt oder nachverfolgt werden. Auch soll nicht mehr jede Person mit Symptomen getestet werden. «Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben, so wie wir es mit anderen Viren tun», begründet Premierminister Pedro Sánchez die Vereinfachungen. Das falle ihm umso leichter, als die Todesquoten bei Corona-Erkrankungen gesunken seien.

Im sogenannten Sentinel-System wird auf eine komplette Überwachung und Registrierung der neuen Fälle verzichtet. Stattdessen stellen die Statistiker auf die Angaben einer Anzahl ausgewählter Kliniken und Arztpraxen ab. Aufgrund deren Informationen wird eine Hochrechnung für das ganze Land erstellt.

Daraus könne man ablesen, wie sich das Virus ausbreite – sowohl in seinen aggressiven als in seinen milderen Varianten.

Bis zur Realisierung des neuen Systems dürfte allerdings noch etwas Zeit verstreichen, heisst es bei der Gesundheitsbehörde. Spanien habe derzeit internationale Verpflichtungen, die Fallzahlen zu melden.

Die Gesundheitsministerin habe aber über das neue Vorgehen bereits mit europäischen Kollegen gesprochen. Je stärker deren Gesundheitssysteme unter Druck geraten, umso schneller dürften sie auf den Vorschlag aus Spanien eingehen.