Die Bilder mit den Tausenden von Trauernden sind ja verstörend.

Schliesslich weint niemand um eine Person, die er nicht gekannt hat – auch die Briten nicht.

Demnach könnten sie mit ihren Tränen einfach das Ende einer Ära bedauern, eine weitere Epoche im Niedergang des Empires.

Doch genau das Gegenteil ist wahr: Die Briten wissen in einer solchen Stunde, was sie aneinander haben, und feiern die Einheit der Nation emotional – inklusive der meisten Labour-Aktivisten und vieler schottischer Nationalisten.

Als direktdemokratische Schweizer lächeln wir gerne über den scheinbaren Anachronismus dieser konstitutionellen Monarchie. Aber wer kann sich schon an ein Ereignis der letzten Jahre erinnern, das unsere Nation solchermassen zusammengebracht hat?

Bundesräte sterben heutzutage kaum mehr im Amt, und wenn schon, geht es schnell vergessen. Der letzte war 1983 der angesehene Willi Ritschard – wer weiss das noch?

So müssen nationale Feiertage wie der Eidgenössische Buss- und Bettag oder der 1. August als Fixpunkte dienen, die zur nationalen Identität beitragen. Doch wirklich nahe gehen sie uns nicht.

Vor allem aber haben die Briten diese künstlichen Projektionsflächen nicht nötig: Sie kennen keinen Nationalfeiertag, haben keine offizielle Nationalhymne oder sonst was Vergleichbares.

Beneidenswert, auch wenn eine Volksinitiative zur Einführung der konstitutionellen Monarchie hierzulande scheitern würde – allein schon am Ständemehr …