Er hat das Poltern und Provozieren offensichtlich bei Trump gelernt. «Grosse Lust» habe er darauf, die Ungeimpften zu belästigen – «emmerder», sagte er. Dreimal verwendete Emmanuel Macron diesen Begriff im Gespräch mit Lesern der Boulevardzeitung Le Parisien. Es kommt von Scheisse, merde.

Belästigen will er die Impfgegner, ihnen das Leben unerträglich machen. Denn sie sind für alle Einschränkungen verantwortlich, unter denen die vernunftbegabten und einsichtigen Franzosen zu leiden haben: die überlasteten Spitäler, die ausfallenden Züge und Flüge, das Chaos in den Schulen, die Polizeikontrollen in den Bars und Restaurants, die Engpässe in den Versorgungsketten und das stundenlange Warten vor jedem Test.

Das alles will er ihnen heimzahlen. Es war kein Versprecher.

Und sehr wohlüberlegt war auch seine zweite Aussage: Den Ungeimpften, den «Unverantwortlichen» spricht der Präsident die Berechtigung ab, «Bürger» der von ihm regierten Republik zu sein.

Es ist Wahlkampf. «Grosse Lust», sagte Macron auch noch, habe er, im Amt zu bleiben. Seit langem schon ist seine Impfpolitik auf seinen Machterhalt angelegt.

Er setzt auf eine «Mehrheit der Vernunft». Das ist im Zeitalter der Verschwörungstheorien kein schlechter Ansatz. Auf dieses Niveau wird sich der président philosophe nicht begeben. Doch mit seinem Halali auf die Ungeimpften zielt er noch um einiges tiefer.

Macron betreibt eine Sündenbock-Politik der Ausschliessung von Minderheiten, wie man sie den Populisten von Trump bis Orbán unterstellt.

Macron zeigt: Auch mit der Vernunft der Aufgeklärten und Eliten kann man manipulieren – wahrscheinlich noch effizienter als mit Fake News.