Für Generationen galt Holland als Mekka von Coolness und Toleranz. Coffeeshops, freie Prostitution, gelebtes Multikulti in allen Regenbogenfarben.

Welch ein Kontrast zu den verstörenden Bildern, die uns seit Anfang der Corona-Krise regelmässig aus den Niederlanden erreichen. Polizisten knüppeln Demonstranten nieder, hetzen Hunde auf wehrlose Zivilisten oder klatschen diese mit Wasserwerfern wie Fliegen an die Wand.

Vor Weihnachten verhängte die niederländische Regierung unter dem Eindruck von Omikron einen knallharten Lockdown. Bewirkt hat es kaum etwas. Seit dem 27. Dezember steigen die Fallzahlen steiler als im europäischen Schnitt.

Frenk von Harreveld, Professor für Sozialpsychologie in Amsterdam, findet dafür eine Erklärung: passiver Widerstand. Die Massnahmen werden unterlaufen. Gemäss Umfragen vertrauen gerade noch 16 Prozent der Bevölkerung den Massnahmen. Ein absoluter Tiefpunkt seit Anfang der Erhebung.

Fairerweise ist zu erwähnen, dass die Zahl der IPS-Patienten und der mit oder an Covid-19 Verstorbenen in den Niederlanden seit Mitte Dezember gesunken ist. Doch diese Trendwende fand bereits vor dem Lockdown statt – nicht nur in Holland, sondern in den meisten Ländern Europas, völlig unbeeindruckt von den verhängten Massnahmen. Omikron sei Dank.