Die Ex-Nationalrätin äussert sich über Ueli Maurers Frauenförderung voll des Lobes: «Er lebt, was die Linken fordern», sagt die SP-Sicherheitspolitikerin Chantal Galladé. Sie stand zwar bei der Abstimmung über den Kampfflieger Gripen im gegnerischen Lager, bezeichnet aber den früheren Verteidigungsminister dennoch als einen ihrer «Lieblingsbundesräte». Maurer sei «auf gute Art fortschrittlich, natürlich und gleichberechtigt unterwegs». Er lege neben der inhaltlichen Kompetenz auch Wert auf ein gutes, menschliches Arbeitsklima und sei in der Zusammenarbeit «angenehm, zugänglich und unkompliziert». Galladé meint sogar scherzhaft: «Wenn wir sieben Maurers hätten, spielte die Frauenquote keine Rolle mehr.»

Laut Susanne Leutenegger Oberholzer, mittlerweile zurückgetretene SP-Wirtschaftspolitikerin, fühlt sich Ueli Maurer im Finanzdepartement wesentlich wohler als früher beim Militär. Als Präsidentin der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) sei sie von Maurer parlamentarisch bestens bedient worden und habe mit ihm etwa beim automatischen Informationsaustausch vorzüglich harmoniert: «Möglicherweise war die Zusammenarbeit mit Ueli Maurer so problemlos und speditiv, weil Frauen sachbezogener politisieren – egal, in welchen Parteien.» Beim Versicherungsvertragsgesetz, das noch immer nicht behandelt ist, habe sich der Finanzminister dann leider als wenig lobbyresistent erwiesen.

Neue Staatssekretärin

Jedenfalls erstaunte die neuste Personalie im obersten Segment von Einfluss und Lohnklasse in der Bundesverwaltung nur noch Uneingeweihte: Bundespräsident Ueli Maurer ernannte Daniela Stoffel zur neuen Staatssekretärin für internationale Finanzfragen (SIF). Sie wird damit Nachfolgerin von Jörg Gasser, der nach nur zweieinhalb Jahren das Handtuch geworfen hat. Daniela Stoffel trägt den Titel einer Botschafterin, leitete den politischen Stab des SIF und arbeitete als diplomatische Beraterin von Ueli Maurer sehr eng mit dem Departementschef zusammen. Maurer ermunterte Stoffel zur Bewerbung und machte sie zur Staatssekretärin – im vollen Wissen, dass sie seit gut zwei Jahren die Partnerin seines Kommunikationschefs Peter Minder ist.

Die Beförderung von Daniela Stoffel sorgte unter bürgerlichen Finanzpolitikern für Stirnrunzeln. Sie sind von der ausgebildeten Hauptfach-Philosophin, die seit je im Bundesdienst steht und nie eine ausländische Botschaft geleitet hat, wenig begeistert. «Ich hätte einen international tätigen, führungserfahrenen Konzernjuristen aus dem Finanzdienstleistungsbereich vorgezogen», kommentiert SVP-Nationalrat Thomas Matter. Und er äussert gleichzeitig die Hoffnung, dass «Frau Stoffel die Verordnungsvorschläge der Finma und der Nationalbank im Interesse der Branche kritischer begutachtet, als es bis anhin geschah». Gemäss Insidern beschränkte sich die Tätigkeit von Botschafterin Stoffel im Wesentlichen auf die Organisation und Koordinierung der Auslandtermine von Ueli Maurer. Wie sie das durch ausländischen Druck enorm geforderte Staatssekretariat für internationale Finanzfragen mit hundert Mitarbeitern führen wird, ist eine offene Frage.

Doch Ueli Maurer setzt in seinem Departement auch sonst auf Frauen. So schlug er die ehemalige Bündner Finanzdirektorin Barbara Janom Steiner (BDP) zur Präsidentin des Bankrates der Schweizerischen Nationalbank vor. Das Generalsekretariat seines Finanzdepartements leitet Rahel von Kaenel, die zuvor seine persönliche Mitarbeiterin gewesen war. Die gelernte klassische Archäologin hat Maurer von BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf übernommen, der sie ebenfalls schon persönlich zugearbeitet hat. Diese Ernennung sorgte für Verwunderung – nicht nur aus Gründen der Parteipolitik, sondern auch darum, weil von Kaenel zuvor nicht als speziell führungsstark aufgefallen war. An der Spitze des bedeutenden Eidgenössischen Personalamts im Departement Maurer steht die Juristin Barbara Schaerer. Die Personalchefin über 37 366 Bundesangestellte ist mit dem früheren SBB-Präsidenten und Postchef Ulrich Gygi (SP) liiert. Sie vertrat die Meinung: «Die Saläre der Top-Kader müssten nach oben angepasst werden.»

«50 Prozent Frauen, 50 Prozent Männer»

Ueli Maurer gilt nicht erst in der Funktion des Finanzministers als wohl effizientester Frauenförderer im Bundesrat. Die Sonntagszeitung konnte sich dennoch nicht genug darüber wundern, dass er am Jahrestreffen der Berner Sektion von Alliance française, dem Verein der Französischsprachigen im Raum Bern, «eine erstaunliche Aussage für einen SVP-Politiker» gemacht habe: Maurer habe nämlich die Vision einer Bundesverwaltung verkündet, in der 50 Prozent Frauen und 50 Prozent Männer arbeiten. Naturgemäss war ein solches Unterfangen in den sieben Jahren, in denen er dem Verteidigungsdepartement (VBS) vorstand, schwer zu erreichen. Aber auch im VBS mischte Maurer die Männerwelt auf, indem er 2009 mit der promovierten Chemikerin Brigitte Rindlisbacher erstmals eine Frau in die Schlüsselstellung einer Generalsekretärin hievte – und zwar gegen 34 Mitbewerber. Sie verstand sich mit ihrem Vorgesetzten so gut, dass sie den Nachfolger nicht abwarten mochte und bei Maurers Wechsel ins Finanzdepartement vorzeitig in den Ruhestand ging. Die Walliserin Germaine Seewer erreichte in Maurers Amtszeit als erste Frau den Generalsrang eines Brigadiers unter denselben Bedingungen wie ein Mann. Wie sie beteuerte, sei eine Frau unter Männern in der Armee längst «nichts Spezielles» mehr.

Die von Ueli Maurer gewünschte politische Fifty-fifty-Geschlechterlösung in der Politik ist derzeit im Bundesrat mit drei Frauen schon fast erreicht. Mit seinen Kolleginnen in der Landesregierung konnte und kann er es ausgesprochen gut. Er pflegte sogar zu Eveline Widmer-Schlumpf, von der sich seine Partei unter vernehmlichem Ächzen getrennt hatte, ein pflegliches Verhältnis. Noch kurz vor ihrer erfolg-reichen Sprengkandidatur gegen Christoph Blocher hatte Maurer die Bündner Finanzdirektorin als fähige mögliche Bundesratsanwärterin bezeichnet. Mit Simonetta Sommaruga trifft sich Maurer gelegentlich auf ein Bier. Und die meist fröhliche Doris Leuthard war ohnehin fast immer zu gegenseitigem Scherzen aufgelegt.

Schon in seiner Funktion als langjähriger Präsident der SVP Schweiz standen Ueli Maurer die weiblichen Kollegen im Grunde viel näher als die Herren der Schöpfung. Menschlich verstand er sich vorzüglich mit SP-Präsidentin Ursula Koch, die ansonsten für bürgerliche Politiker die ideale Reizfigur abgab. Schon nach kaum drei Jahren schmiss sie aber den Bettel wegen innerparteilicher Differenzen hin – das unschöne Mobbing betrieben an vorderster Front ihre «Parteifreundinnen». Noch wesentlich enger verband Maurer eine persönliche Freundschaft mit der Genfer Ständerätin Christiane Brunner, die der SP 2000 bis 2004 vorstand und ebenfalls aus einfachen Verhältnissen stammte. Die beiden sassen auch privat zusammen und halfen sich bei Fernsehauftritten in der jeweils anderen Sprachsphäre bei komplizierten Wörtern gegenseitig aus. Dass SVP, FDP und CVP Christiane Brunner anlässlich der Bundesratswahlen von 1993 als zu links und zu verrucht beurteilten und ihr Ruth Dreifuss vorzogen, war vielleicht die grösste bürgerliche Fehleinschätzung des Jahrzehnts.

Ungewollter Gender-Politiker

Als Ueli Maurer kurz vor seiner Wahl in den Bundesrat das Präsidium der Zürcher SVP übernahm, wirkten in entscheidenden Chargen nicht weniger als drei Frauen: Geschäftsleiterin der Kantonalpartei war Daniela Vas, Kantonsratspräsidentin Ursula Moor und Regierungsratspräsidentin Rita Fuhrer. Daniela Vas äussert sich heute noch beeindruckt von der Intelligenz, Kompetenz und stets gleichbleibenden Freundlichkeit ihres damaligen Chefs. Wenn sich jemand über sie beschwert habe, sei Maurer jederzeit vor sie gestanden: «Ueli Maurer mag eben die Menschen, während sich ansonsten die Politiker vor allem selber mögen.» Er habe das Vorurteil beispielhaft widerlegt, dass SVP-Männer die Frauen am liebsten an den Herd wünschen: «Ueli Maurer interessiert nicht, welches Geschlecht die Mitarbeitenden haben, wenn sie nur fähig und verlässlich sind.»

Als Präsident der nationalen SVP arbeitete er eng zusammen mit der stellvertretenden Generalsekretärin Aliki Panayides, der Westschweiz-Koordinatorin Gilberte Demont und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Jeannine Grünenfelder. Maurer verfügte damals als Chef der grössten Partei nicht einmal über eine ihm persönlich zugeteilte Assistentin. Grünenfelder stand ihm bei der Bewältigung der anfallenden Arbeiten zur Seite und meint heute: «Ueli Maurer hat seinerzeit auch Frauen in den unteren Chargen der Parteihierarchie wahrgenommen, motiviert und gefördert.» Zur späteren BDP-Nationalrätin Ursula Haller, mit der er manchen innerparteilichen Strauss ausfocht, meinte Maurer lachend: «Ich habe sie viel lieber als sie mich.»

Mit den Journalistinnen pflegte er als Parteipräsident ebenfalls einen lockeren, zwanglosen, oft persönlich geprägten Umgang. Manches, was gegenüber dem breiten Publikum in den Medien als harter ideologischer Schlagabtausch daherkam, war in Wirklichkeit viel undramatischer, entspannter und heiterer, als es aussah. Die Partnerinnen der Politiker beeindruckt besonders, dass Ueli Maurer dank seinem stupenden Gedächtnis ihre Vornamen selbst dann noch weiss, wenn die letzte Begegnung Jahre zurückliegt. Und was meint der Bundespräsident selber zu seiner Rolle als ungewollter Gender-Politiker? «Es gibt eine andere Sicht der Dinge. Darum arbeite ich gerne mit Frauen zusammen.»