Ein Bub klagt der Mutter: «Der Vater hat mir eine Ohrfeige gegeben.» Der Vater kommt dazu und sagt: «Lügst du wieder? Willst du noch eine?» Damit sich solche Szenen nicht wiederholen, möchte der Bundesrat auf Druck des Parlaments die gewaltfreie Erziehung im Zivilgesetzbuch verankern. Die Ohrfeige, ein Schlag mit der flachen Hand auf die Backe – das Wort ist seit dem 15. Jahrhundert belegt –, wurde auch schon als «kleine Gewalt» bezeichnet, handelt es sich doch ausser bei zünftigen, gesalzenen Schlägen eher um eine Demütigung. Die Wortherkunft ist nicht eindeutig geklärt. Während das «Etymologische Wörterbuch» von Friedrich Kluge einen Zusammenhang mit «Feige» vermutet, meint der Grosse Duden, der zweite Bestandteil des Wortes lasse sich wohl von «fegen» (mittelhochdeutsch «veeg» = Hieb, Streich) herleiten.

Wilhelm Busch hat die Ohrfeige so beschrieben: «Ein Prall – ein Schall – dicht am Gesicht – / Verloren ist das Gleichgewicht. [. . .] Ohrfeige heisst man diese Handlung. / Der Forscher nennt es Kraftverwandlung.» Als Synonyme wären zu nennen: Dachtel, Backpfeife (landschaftlich), Fotze (derb), Klatsche (umgangssprachlich), Klapf (schweizerisch mundartlich) und die veralteten Maulschelle und Backenstreich. Etliche Schweizer Dialekte haben Originelleres zu bieten. Zürich: Flättere. Basel: Gläpper. Bern: Chleipe, Chlefu. Wallis: Flängga, Schlänggi. Graubünden: Schwinte. Ostschweiz: Singele (ein Schlag, dass einem die Ohren singen).

Statt eins hinter die Löffel zu kriegen, scheint es wesentlich lustvoller zu sein, eins hinter die Löffel zu geben. Folgende Synonyme deuten darauf hin. Umgangssprachlich: jemanden abwatschen, jemandem eine knallen, langen, schieben, verpassen, wischen, löffeln, wienern. Salopp: eine kleben, scheuern, schiessen, schmieren, lackieren, pflastern.

Niemanden schlagen: Das sollte man sich hinter die Ohren schreiben. Diese Redensart hat mit Ohrfeigen zu tun und geht auf einen alten Rechtsbrauch zurück. Zum Beispiel bei Grenzziehungen wurden Knaben mitgenommen und geohrfeigt, damit sich diese als Zeugen später daran erinnern konnten.