Davies and Brook, Claridge’s-Hotel, Brook St, London W1K 4HR (1 Michelin-Stern).


 

Der Umgang mit der zur Pandemie ausgerufenen Corona-Krise hat eine grosse Zahl unerwünschter Nebenwirkungen. Reisen etwa ist komplizierter geworden als zu Zeiten des Eisernen Vorhangs, und als ich kürzlich für einen Interviewtermin im Auftrag des Caminada-Magazins nach London reisen konnte, war das durchaus aufregend. Nicht, weil die Vorbereitung mit Formularen, Tests und Nachweisen im Vorfeld Stunden in Anspruch nimmt, sondern weil die Freude, dies überhaupt tun zu können, gross war.

Nach der Arbeit schien es mir angebracht, dieses Ereignis mit einer kleinen Feier, an der nur ich selbst teilnahm, zu feiern. Ich hatte einen Tisch im «Davies and Brook», dem Londoner Ableger des Schweizer Küchenweltstars Daniel Humm, gebucht, weil das eine Art von gehobener Gastronomie ist, die mir zusagt: Die Musik ist nicht zu leise, die Tischdecken sind zwar weiss und gebügelt, aber das Personal ist unprätentiös und locker-freundlich und das Essen hervorragend.

Der Festlaune entsprechend stellte ich mein Menü zusammen: zunächst eine Art salziges Tortenstück mit mürbem Sesamboden, vollmundiger Bonito-Creme, darauf eine Schicht leicht süsslicher Kürbis-Mousse und schliesslich ein feiner Belag aus salzigem Osietra-Kaviar. Als Reminiszenz an meinen ersten Besuch hier im Jahr 2019 – und gewissermassen als Gewissenskompensation für den Hauptgang – gab es die unvergleichliche Aubergine mit Senfsaat, schwarzem Knoblauch und Radieschen.

Gutes Essen muss nicht luxuriös sein, aber es darf, und wenn schon, dann richtig. Daniel Humms Huhn mit knuspriger Haut, unter der sich eine Füllung aus schwarzem Trüffel, Foie gras und Brioche verbirgt, ist ein zeitgemässes Denkmal der klassischen französischen Küche und ein perfektes Gericht, wenn es einen Grund zum Feiern gibt. Mit Trüffeljus und einer zusätzlichen Schale mit Geflügelschenkel-Ragout, Foie gras und Kartoffelschaum war das ein gelungenes Fest.

 

David Schnapp ist Autor beim Gault-Millau-Channel.