Eine Reise nach Vals gehört zu den aufwendigeren Unterfangen. Mit «schwer zugänglich» ist die Zufahrt noch eher zurückhaltend beschrieben. Von Ilanz herkommend, einem Hauptort des Bündner Oberlandes, schraubt sich die Passstrasse ins Gebirge hinauf. Vielerorts wirkt sie, als sei sie direkt in den Stein gehauen worden. Und an manchen Stellen ist sie das wohl auch. Am einen Wegesrand erhebt sich das Gelände ebenso imposant, wie es am anderen abfällt.

Die schroff-alpine Ästhetik, in der sich das Grau der Felsen mit dem Grün der Tannen und dem jahreszeitlichen Zartbraun der Wiesen vermengt, lässt wohl niemanden unbeeindruckt, der sich zum ersten Mal hierhin wagt. Dieser exponierten Gegend verdankt die Schweiz natürliche Ressourcen, die sich in der allgemeinen Wahrnehmung schon fast zu einem Kulturgut entwickelt haben. Das erste ist der gefragte Valser Quarzit, der zum Beispiel den Bundesplatz in Bern kleidet. Das zweite ist das berühmte Valserwasser, das vom Berner Donald Hess in den 1960er Jahren entdeckt und erfolgreich kommerzialisiert wurde. Als Pionier des Mineralwasserwesens in der Schweiz stellte er einen Hauslieferservice auf die Beine, der das ganze Land mit mineralischem Wasser aus Vals versorgte und den es auch heute, mit dem Valsser Service, immer noch gibt. In vielen Schweizer Biografien gehört der grüne Lieferwagen zum schönen Inventar der Kindheitserinnerungen; noch lange nachdem Donald Hess die Rechte für die Nutzung der Quelle im Jahr 2002 an Coca-Cola HBC verkaufte und – daran darf man erinnern – als erfolgreicher Weinbau-Unternehmer (Napa Valley, Südafrika und Argentinien) im vergangenen Jahr verstorben ist.

Den Weg nach Vals nehmen wir unter die Räder anlässlich des Tages der offenen Tür, den Valser erstmals, COVID-bedingt, seit Jahren wieder veranstaltet, um damit Interessenten einen Einblick in die Produktion zu geben und die Eingebundenheit in die örtliche Gemeinschaft der Umgebung zu pflegen. Wir sind verabredet mit Michael Vossler, Standortleiter bei Valser, und Ilia Tomassi, als Supply Chain Director in der Geschäftsleitung von Coca-Cola HBC Schweiz verantwortlich für die gesamten Lieferketten an den Produktionsstandorten im Bündner Oberland und in Brüttisellen.

Mit sichtlicher Begeisterung führen uns die beiden Vertreter von Coca-Cola HBC durch die Anlage. Valserwasser, muss man wissen, wird aus zwei Quellen abgefüllt. Einerseits von Anfang an aus der St. Petersquelle, die mit einem Mineralgehalt von 1870 Milligramm pro Liter besticht. Andererseits aus der Paulsquelle, die etwas weniger stark mineralisiert ist und aus der seit 2010 stilles Valserwasser gewonnen wird. Und hier sehen wir auch schon die erste Innovation neueren Datums, die das Denken und Handeln bei Valser illustriert.

Von der Quelle selbst ist zwar nur wenig zu erkennen; die Anzapfung des mineralischen Lebenselixiers befindet sich einige Meter unter der Erdoberfläche und ist in Beton eingeschalt. Sichtbar sind lediglich die Metallrohre, in denen das Wasser zur einige hundert Meter entfernten Abfüllanlage geleitet wird. Zuvor durchläuft es allerdings einen sogenannten Wärmetauscher, wo es von den natürlichen 29 Grad auf 14 Grad hinuntergekühlt wird. Auf der anderen Seite des Tauschers wird die daraus gewonnene Wärme als Fernwärme der Therme Vals zur Verfügung gestellt, die es zur Beheizung nutzt. Es ist das, was man klassischerweise als Win-win-Situation bezeichnet: Valser profitiert, weil das so heruntergekühlte Wasser einfacher mit Kohlensäure zu versetzen ist. Und die Therme Vals profitiert von einem ressourcenschonenden Beitrag zu ihren thermischen Systemen.

 

Hohe Energierückgewinnung

Weiter geht es zur eigentlichen Abfüllanlage, wo das der Quelle entnommene Wasser in Flaschen abgefüllt wird. Auch hier gibt es einiges zu entdecken in Sachen Ökologie. Zum einen den Stolz von Standortchef Vossler: die Solaranlage auf dem Dach, die einen guten Teil des elektrischen Stroms für den eindrücklichen Maschinenpark liefert. Die Solar-Panels sind hier nicht einfach flach auf dem Dach angebracht, sondern etwas angewinkelt. Teilweise wurde mit einem besonders grossen Winkel gearbeitet, so dass sich die Kollektoren-Panels fast senkrecht vom Flachdach der Produktionshalle abspreizen – und so auch bei Schnee funktionstüchtig bleiben. «Diesen Anteil der Panels müssen wir so gut wie nicht vom Schnee befreien», erklärt der Standortleiter. Mit einer solchen geometrischen Anlage sei Valser weltweit ein Vorreiter gewesen.

Unter dem Flachdach befindet sich der Produktionsbetrieb, wo das beliebte Valserwasser in rezyklierten Petflaschen oder Glasflaschen abgefüllt wird. Und auch hier strengen sich die Valser-Ingenieure an, auch kleinste Effizienzreserven nutzbar zu machen. Ein neuralgischer Punkt dabei ist das relativ hitze- und damit energieintensive Verwandeln der PET-Rohlinge zu Flaschen. Dabei werden kleine PET-Röhrchen erhitzt und dann in Flaschenform aufgeblasen. Mit grossem experimentellem Aufwand sei es gelungen, erklärt Vossler, das Verfahren so zu verbessern, dass bei geringeren Temperaturen zugleich weniger PET pro Flasche gebraucht werde.

Aus Innovationen wie der beinahe senkrechten Fotovoltaikanlage, dem Wärmetauscher zugunsten der Therme Vals und dem PET-Ofen wird deutlich: Bei Valser ist man bemüht, auch die letzten Effizienzreserven im Sinne der Ressourcenschonung nutzbar zu machen. Ein Anliegen, dass auch von der Unternehmensspitze im viele Stunden entfernten Opfikon, wo das Management von Coca-Cola HBC Schweiz seinen Sitz hat, nach Kräften gefördert wird. Lieferkettenchefin Ilia Tomassi bemerkt, dass auch dank dem technologischen Raffinement, dessen Zeuge man hier in Vals werde, die Schweizer Einheit von HBC innerhalb des Konzerns, zu dem 28 Ländergesellschaften auf drei Kontinenten gehören, mit grossem Abstand am wenigsten CO2-Emissionen verursache. «Die nächstplatzierte Ländergesellschaft ist rund 20 Prozent schlechter als wir.»

Ein Engagement, das sich lohnt: Zum dritten Mal wurden die Anlagen in Vals von der Alliance for Water Stewardship (AWS) mit dem Goldstandard zertifiziert. Prämiert wird damit die Tatsache, dass das Unternehmen in Vals den Wasserbedarf in der Produktion massgeblich reduzieren konnte. «Damit leisten wir einen Beitrag an den schonenden Umgang mit der Ressource Wasser», so Tomassi.

Die bereits erzielten Verbesserungen seien aber kein Grund, so unsere beiden Begleiter auf dem Rundgang, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Als Nächstes möchte Valser den Transport von Vals an den Bahnhof Ilanz, der aus geografischen Gründen nur auf der Strasse stattfinden kann, teilweise auf vollelektrische Lastwagen umstellen. Von dort aus geht es, wie bereits bis anhin, weiter mit der ökostrombetriebenen Rhätischen Bahn. Ein Pilotversuch mit Elektrolastwagen ist erfolgreich verlaufen, auch weil die örtliche Topologie hilft: Auf dem Weg von Vals nach Ilanz geht es mit schwerbeladenem Lastwagen bergab, was den Fahrzeugen eine sehr hohe Energierückgewinnung erlaubt; anschliessend mit leichter beladenem Lastwagen wieder bergauf.

 

Gelungene Symbiose

Für Interessierte aus nah und fern bot der Besuchstag im Oktober eine Gelegenheit zu erleben, wie die lokale unternehmerische Tradition im Bündner Oberland mit den technologischen Möglichkeiten und ökologischen Ambitionen des Weltkonzerns Coca-Cola HBC eine gelungene Symbiose eingehen. Mit von der Partie war auch Gemeindepräsident Stefan Schmid. Aus seiner Warte ist die Zusammenarbeit mit Coca-Cola HBC Schweiz, «von zentraler Bedeutung für uns». Der Tag der offenen Tür biete eine Gelegenheit, «unsere Verbundenheit und langjährige Kooperation mit der ganzen Bevölkerung zu teilen und zu feiern», so Schmid.

Der Anlass zog rund tausend Besucher an. Ganzjährig unterhalten die Valser Mineralquellen ein Besucherzentrum in Vals. Die «Wasserwelt» eröffnet Einblicke in die Tradition und Produktion des Unternehmens.

Beiträge in der Rubrik «Ökologie & Unternehmertum» erscheinen im Rahmen einer kommerziellen Zusammenarbeit zwischen der Weltwoche Verlags AG und ausgewählten Unternehmen. Sie beleuchten neue Trends und Technologien, die Unternehmertum und Ökologie miteinander verbinden.

 

Beiträge in der Rubrik «Ökologie & Unternehmertum » erscheinen im Rahmen einer kommerziellen Zusammenarbeit zwischen der Weltwoche Verlags AG und ausgewählten Unternehmen. Sie beleuchten neue Trends und Technologien, die Unternehmertum und Ökologie miteinander verbinden.