Ich arbeite in der technischen Unterstützung für Metallzylinder und Schlüssel. Gelernt habe ich Maschinenmech, das war vor vierzig Jahren. Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich. Ich weiss nie, was der Tag bringt. Irgendeiner braucht immer Hilfe. Aufgewachsen bin ich in Pfäffikon SZ, wo ich heute noch wohne. Auch mein Hobby ist gleich geblieben: die Fasnacht. So wurde ich vor etwa 35 Jahren Schmutzli.

Die Samichlaus-Gruppe, in der ich bin, gehörte zum Fasnachtsverein. Ich rutschte vom einen ins andere. Die Chläusler fragten mich, ob ich mitmachen möchte, und ich begann als Schmutzli. Das müssen alle Neuen, damit sie sehen, wie’s abläuft. Weil ich fast immer mit dem gleichen Samichlaus unterwegs war und es immer noch bin, hat sich ein Aufstieg nicht ergeben. Und ich glaube, wir lassen es auch künftig so.

Mir gefallen die Besuche als Schmutzli. Ich stehe nicht nur blöd daneben und knurre. Ich helfe dem Samichlaus, trage die Päckli und stelle auch mal eine Frage. Oder wenn ich merke, der Samichlaus hat etwas vergessen, erinnere ich ihn daran. Bei uns ist der Schmutzli nicht der Böse, sondern der Gehilfe.

 

Immer noch Respektspersonen

 

Unsere Touren beginnen am ersten Advent, richtig los geht es am 5. und 6. Dezember, später als am 7. sind wir selten unterwegs. Unsere Einsatzzeit ist kompakt und intensiv. Am Morgen starten wir in Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen; frühestes um acht Uhr, weil wir eine Stunde für die Maske brauchen. Ich werde komplett geschminkt, nicht rabenschwarz, eher dunkel. Die braune Farbe vom Schmutzli kommt von der Waldarbeit und der Sonne. Bevor ich ins Bett gehe, wasche ich die Theaterfarbe meist todmüde ab.

Zwischen fünf und neun Uhr am Abend besuchen wir dann Familien. Eine mit zwei Kindern nimmt rund eine halbe Stunde in Anspruch, pro Kind mehr kommen zehn Minuten dazu. Familien kostet das nichts, sie zahlen einen Freiwilligenbetrag. Vereine und Firmen zahlen Fixbeträge. Wie viel das kostet, weiss ich nicht. Das erledigt unser Office. Wir sind insgesamt fünfzehn bis zwanzig Leute in der Gruppe, acht verkleiden sich als Samichlaus und Schmutzli.

Am besten gefällt mir das Strahlen der Kinder. Viele haben aber auch Angst, je kleiner, desto mehr, und vor mir fürchten sie sich etwas mehr. Manche überreden ihre Angst. Es kommt vor, dass der Samichlaus fast nicht zu Wort kommt und sie bremsen muss. Die Sprüchli variieren von Jahr zu Jahr. «Sami Niggi, Näggi» kommt immer. Manche Kinder beeindrucken mich mit ellenlangen Gedichten. Freche Kinder gibt es selten, die Fitze brauchte ich noch nie, wohl weil wir noch immer als Respektspersonen gelten. Das hat sich in meiner langen Zeit kaum geändert.

 

Prominenz im Villenviertel

 

Wir besuchen meistens christliche Schweizer Familien, aber auch Deutsche, Amerikaner oder Osteuropäer aus Russland. Muslime sind mir bis jetzt keine aufgefallen, auch wenn wir auch heim zu Familien aus dem Balkan gehen. Interessant ist das Villenviertel. Da wohnen viele Prominente aus Wirtschaft und Kultur. Spezieller als anderswo ist das aber nicht, auch die Kinder sind kaum anders; vielleicht spielt eines in einer Villa eher mal etwas auf dem Klavier vor, und in ärmeren Familien ist es die Flöte.

Nach der Samichlaus- kommt für mich die Fasnachtszeit. Verheiratet bin ich nicht. Ich treibe sehr viel Sport: Velofahren, Joggen, Schwimmen, Langlauf. Früher spielte ich Fussball in Freienbach, aber das ist lange her. Als Kind freute ich mich sehr auf den Samichlaus, das war Tradition. Natürlich war ich ehrfürchtig, aber das Sprüchli wusste ich immer.

Dieser Artikel erschien erstmals am 3. Dezember 2020.