Sie haben im Lausanner Stadtparlament den Sicherheitsdirektor Pierre-Antoine Hildbrand (FDP) mit einem Nazi-Vergleich angegriffen, der Sie eigentlich als Parlamentarierin disqualifiziert. In der Debatte über eine Revision des Betteleiverbots hat Hildbrand, der einzige Bürgerliche in einer siebenköpfigen rot-grünen Stadtregierung, festgehalten, dass man sich «durch Arbeit emanzipieren sollte und nicht durch Bettelei». Das hat Sie als Mitglied der radikalen Linken, Ensemble à Gauche, veranlasst, Hildbrand an den Kopf zu werfen: «Das erinnert mich an eine sehr, sehr dunkle Epoche der deutschen Geschichte, Hashtag ‹Arbeit macht frei›.» Sie doppelten gleich nach, auch Pinochet habe die Bettelei verboten.

Ich denke, in Zürich oder Basel wäre nach diesem Nazi-Vergleich Ihre politische Karriere abrupt zu Ende gegangen. In Lausanne hat Stadtpräsident Grégoire Junod (SP) zu Ihrer «Entgleisung» lediglich erklärt, «man kann nicht alles und jedes sagen». Hildbrand selbst zeigte sich sehr verletzt, denn er hat sich stets gegen Rassismus und Antisemitismus eingesetzt und findet, der Vergleich mit dem Genozid an den Juden sei eine Banalisierung von Kriegsverbrechen. Trotzdem verzichtet er auf eine Strafklage.

Erstaunlich ist, dass Sie nicht irgendeine Linksextreme mit mangelndem historischem Bewusstsein sind, sondern eine Frau Doktor, die an der EPFL zum Thema Zukunft der Mobilität forscht. Man fragt sich, wie viele politische Wirrköpfe an dieser Hochschule sonst noch auf die Studenten losgelassen werden.

Hildbrand kann man nur eines vorwerfen: Seine Polizisten sind zu tolerant mit der berufsmässigen Bettelei, die die Lausanner Bevölkerung zunehmend empört. Die seit Jahren gut organisierten und immer gleichen Roma-Gruppen verteilen jeden Morgen die besten Plätze, weisen andere Bettler vom Platz, und in den Suppenküchen beanspruchen sie die besten Plätze.

Aber eben: Hildbrand sind die Hände gebunden, Links-Grün findet solche Zustände gut.

Mit freundlichen Grüssen

Peter Rothenbühler