Eigentlich reiste Lambert Liesenberg mit einer positiven Grundeinstellung und voller Hoffnung an die Uno-Klimakonferenz in Dubai 2023 (COP28), die vom 30. November bis zum 13. Dezember stattfand. Denn der 59-jährige Unternehmer im Bereich von Edelholzanbau aus der Schweiz hatte ein vielversprechendes Nachhaltigkeitsprojekt im Gepäck, das er in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emiraten Grossinvestoren präsentieren wollte.

«Das Geschäft mit privaten Investoren ist schwierig geworden», erklärt er, der vom Forum Climate Change Investment zur Konferenz eingeladen worden war. Schon seit 2008 ist Liesenberg mit seiner Firma Life Forestry in Costa Rica, Ecuador und Kolumbien tätig und verfügt in der Aufforstung über grosse Erfahrung. Für sein neues Projekt in Tansania gründete er die SilvaTerra AG als neue Firma, die sich an institutionelle Investoren richtet.

 

Wohlstand und Kohlenstoffreduktion

«SilvaTerra mit Sitz in Luzern versteht sich als Projektentwickler, der Natur-, Umwelt- und Klimaschutz in wirtschaftliche Konzepte integriert, die zu Win-win-Situationen auf allen Ebenen führen», sagt der sechsfache Vater Liesenberg. In Tansania soll so nicht nur wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand geschaffen werden. Darüber hinaus ist geplant, die Ernten und Produkte auf dem Weltmarkt zu verkaufen, die Produktion zu erhöhen und das Klima durch Kohlenstoffreduktion und den Erhalt von Wäldern zu verbessern.

Zu diesem Zweck will er mit SilvaTerra einen Green Bond, also eine Anleihe, die speziell für die Finanzierung von Projekten mit positiven Umweltauswirkungen ausgegeben wird, über anfänglich fünfzig Millionen Dollar auflegen und eine Million CO2-Zertifikate generieren. «Mit diesem Ansatz erwarte ich Renditen von bis zu 14 Prozent – die Hälfte aus der Ernte und alles darüber aus den CO2-Zertifikaten.»

Doch in Dubai, wo er eine Woche weilte, wurden seine Erwartungen an den in vielen Medien hochgelobten Anlass mit über 70 000 Teilnehmern nicht erfüllt. «Ich ging davon aus, dass alle Protagonisten miteinander reden können, doch ich fand eine Zweiklassengesellschaft vor», erinnert sich Liesenberg. Die Politiker seien völlig abgeschottet gewesen, hätten sich gegenseitig auf die Schultern geklopft und seien mit Luxusautos herumchauffiert worden. Für Irritation sorgten bei ihm auch die Klimaaktivsten, die sich vielfach von Fastfood ernährt und den Abfall achtlos auf den Boden geworfen hätten.

Die Firmen, darunter SilvaTerra, NGOs und auffällig viele Unternehmensberaterfirmen, hätten dagegen im öffentlichen Bereich ihre Stände gehabt. Aufgrund dieser Konstellation ging Liesenberg in der Präsentation nur am Rand auf sein Projekt ein. «Dafür sprach ich mehr über die Situation auf der Welt und über die Untätigkeit der Politik.»

Das Interesse am Green Bond hielt sich in Dubai in Grenzen. «Erst etwa vier Wochen später kamen die ersten Anfragen herein», führt er aus. Interesse zeigten vor allem Firmen, Family Offices, Versicherungen und Pensionskassen aus Indien, China, Afrika und aus den USA. Aus Europa hätte sich bis jetzt noch niemand gemeldet. Über die grüne Anleihe von SilvaTerra beabsichtigt Liesenberg in der Nähe der tansanischen Stadt Morogoro zu Beginn auf 15 000 Hektar Fläche Bambus anzupflanzen. Als längerfristiges Ziel peilt er 150 000 Hektar an.

Bambus deshalb, weil dessen Wurzeln in die Tiefe und in die Breite gehen, wodurch Erosion verhindert werde. Zwischen den Bäumen sollen landwirtschaftliche Produkte für die Grundversorgung der lokalen Bevölkerung angebaut werden, was geeignet ist, die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen, Biodiversität zu schaffen und Erosion zu verhindern.

Daneben erwirbt die SilvaTerra AG bestehende Wälder, um diese vor Abholzung zu schützen. Um diese Bäume herum wird vorwiegend Pfeffer gepflanzt. Pro Jahr erwartet der Chef von SilvaTerra einen Ertrag von 4000 bis 5000 Tonnen Pfeffer, was ungefähr 10 Prozent des Bedarfs von Deutschland entspreche. Auch die Anpflanzung von Vanille sei möglich. Gewisse leere Flächen zwischen den Bäumen will er auch hier an lokale, junge Frauen zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung abgeben.

Die Ziele des Projekts sind die Herstellung und der Verkauf von qualitativ hochwertigem, Biosuisse-zertifiziertem Pfeffer und FSC-zertifiziertem Bambus. Die Erlöse aus Ernten und die daraus resultierenden Erträge werden durch Gold-Standard-zertifizierte Emissionsgutschriften ergänzt.

 

Kein Wachstum ohne Dialog

Unter Anwendung der Zykluswirtschaft soll laut Liesenberg in Tansania immer ein Teil des Holzes geschlagen und für die Bauwirtschaft verwendet werden. «So bleibt das darin gespeicherte CO2 gebunden.» Und der Bambus wachse immer nach. «Durch den Kauf einer grünen Anleihe kann man in ein nachhaltiges Projekt investieren und gleichzeitig eine attraktive Rendite erzielen», erklärt er, der mit der einheimischen Regierung gut vernetzt ist und die schweizerisch-tansanische Handelskammer mitgegründet hat.

Zudem hätten lokale Bauern eine Perspektive und ein Einkommen. Tansania beschreibt er als friedliches Land mit vielen jungen Menschen, die gut ausgebildet seien. «Diese gilt es im Land zu behalten.» Die Einheimischen müssen laut Liesenberg am Aufbau eines solchen Projekts beteiligt werden, wenn es langfristig erfolgreich sein soll.

Liesenberg ist davon überzeugt, dass Klimaschutz nur funktioniert, wenn ein ökonomisches Modell dahintersteckt. «Es wird zwar viel geredet, aber letztlich bleibt es bei Symbolpolitik, weil es an sinnvollen Ansätzen fehlt.» Vor allem brauche es einen Dialog und einen Austausch mit Ländern wie zum Beispiel Indien, um dort ein ökologisches Wirtschaftswachstum zu fördern. «Sonst sind die Klimaziele wegen des Bevölkerungswachstums nie zu erreichen», sagt er.

Auch müsse alles getan werden, den Regenwald nicht einfach abzuholzen, sondern zu schützen und gleichzeitig landwirtschaftlich nutzbar zu machen. «Forget about sustainability, think about habitability» lautet sein Motto; es gelte nicht mehr Ressourcen zu verbrauchen, als die Erde regenerieren könne. «Aber nur Nachhaltigkeit reicht nicht aus, man muss auch reparieren», erklärt er.

 

Steigende Nachfrage nach Holz

Mit seinem Projekt in Tansania beabsichtigt er zudem, Brachflächen aufzuforsten. Für die Nutzung der Grundstücke erwirbt er eine Konzession für 99 Jahre, die jeweils verlängerbar ist. «In Tansania gehören Grund und Boden grundsätzlich dem Staat, der es über das Tansanian Investment Center verpachtet, was Geld ins Land bringt und Arbeitsplätze schafft», erklärt er. Etwa fünfmal pro Jahr reist Liesenberg ins ostafrikanische Land, wo er rund 400 Leute fix beschäftigt. Wenn das Nachhaltigkeitsprojekt mit der grünen Anleihe zum Fliegen kommt, will er zusätzlich 2000 Personen einstellen. Zum Vergleich: In der Schweiz hat er zwanzig Mitarbeiter.

Grundsätzlich ist Lambert Liesenberg optimistisch, dass das Nachhaltigkeitsprojekt in Tansania erfolgreich sein wird. Einerseits verschwänden weltweit immer mehr Waldflächen, anderseits steige die Nachfrage nach Holz durch den immer grösseren Pro-Kopf-Verbrauch und die ständige Zunahme der Weltbevölkerung. «Darum ist Holz nach Öl und Gas der drittwichtigste Rohstoff, der weltweit gehandelt wird.»

Gleichwohl hätten bis jetzt nur wenige Grossanleger in Edelhölzer investiert und mit Anlagesummen im siebenstelligen Bereich schon seit Jahrzehnten hohe Renditen erwirtschaftet. Die Zukunft des Holzinvestments werde ausserdem von vielen Analysten positiv beurteilt.