Es war einer der unbedachtesten Sätze seines öffentlich-rechtlichen Lebens. In einem Interview mit dem Sonntagsblick verkündete SRG-Generaldirektor Gilles Marchand zur Gebühreninitiative «200 Franken sind genug» der erstaunten Nation: «Diese Initiative ist eine Attacke gegen die Schweiz.» Hatte man solch pathetisch-nationalistische Fanfarenstösse seinem Vorgänger Roger de Weck irgendwie noch durchgehen lassen, scheint solcher Fernsehpatriotismus mittlerweile völlig aus der Zeit gefallen.

Marchand und Wappler im Kampfmodus

Noch verheerender kam in der Öffentlichkeit Marchands fundamentalistischer Kampf gegen eine geringe Reduktion der Gebühren von 335 auf 300 Franken an. Dieser massvolle Vorschlag von Medienminister Albert Rösti (SVP) und dem Gesamtbundesrat sollte eigentlich der weiter gehenden Gebühreninitiative von Thomas Matter (SVP) den Wind aus den Segeln nehmen. Doch Gilles Marchand stellte sich im Tages-Anzeiger quer – und erst noch, indem er sich hinter anderen verschanzte: «Viele Kolleginnen und Kollegen machen sich Sorgen. Nicht alle können die Pläne des Bundesrates nachvollziehen. Ich kann das verstehen [. . .]»

Öffentlich widersprach der oberste SRG-Verantwortliche sodann seinem politischen Chef. Marchand zog Röstis Zahlenangaben und die Aussage in Zweifel, die Einsparungen seien durch natürliche Fluktuationen zu stemmen: «Das ist völlig unmöglich.» Viele Menschen bei der SRG würden ihren Job verlieren. «Mit der Sparvorgabe des Bundesrates könnten wir unseren Leistungsauftrag spätestens ab 2027 nicht mehr im heutigen Stil erfüllen.» Wenn ein Untergebener so mit seinem Vorgesetzten spricht, muss einer von beiden gehen. In der Regel ist dies der Untergebene.

Spätestens jetzt wurde dem SRG-Präsidenten Jean-Michel Cina (Mitte) klar, dass er mit dem unbeweglichen Westschweizer Gilles Marchand gegen die Matter-Initiative nicht gewinnen kann. Zumal vorab die skeptischen Deutschschweizer für das Schweizer Radio und Fernsehen gewonnen werden müssen. Erschwerend kommt bei ihnen hinzu, dass die Deutschschweizer Medien wegen der Konkurrenz im Onlinebereich mittlerweile immer öfter auf SRF einprügeln. Darum wurde verlautbart, der erst 61-jährige Gilles Marchand werde sich Ende 2024 zurückziehen und einer neuen Kraft Platz machen.

Zusammengezählt ergibt sich für den Erwerb des MBA-Titels der stolze Betrag von 145 180 Franken.Dass es sich hierbei nicht mehr um einen Generaldirektor, sondern um eine Generaldirektorin handeln müsse, war bei den Medien praktisch ausgemacht. Manche nahmen an, Marchands Stellvertreterin, die SRF-Direktorin Nathalie Wappler, sei die natürliche und gesetzte Kronprinzessin. Den grössten Stolperstein für einen solchen Karrieresprung bildet aber die Tatsache, dass auch sie Albert Röstis bescheidenen Sparplänen mit ebenso ohrenbetäubendem Geheul entgegengetreten ist wie Gilles Marchand. In einem Interview mit CH Media kündigte Nathalie Wappler vollmundig Widerstand gegen den Bundesrat an – etwa mit der umwerfenden Begründung, die Produktion der Sendung «Landfrauenküche» sei teuer.

Mit einer tieferen Gebühr sei der Leistungsauftrag nicht zu erfüllen, kritisierte Wappler den Beschluss des Gesamtbundesrats öffentlich. Während die Landesregierung eine Fokussierung des Programms fordert, versteift sich die SRF-Direktorin auf ein «Vollprogramm» ohne Abstriche bei Unterhaltung und Sport. Damit macht die Chefin von SRF auf Befehlsverweigerung, denn sie hätte eigentlich nicht das zu tun, was sie will, sondern das, was sie muss. Wenn ihr Gewissen es nicht mehr zulässt, ihren Auftrag auch mit etwas weniger Geld zu erfüllen, sollte sie auf ihren gutdotierten Posten (inklusive des unlängst in ein Fixgehalt transferierten Bonus) verzichten.

Erschwerend kommt hinzu, dass Roger Schawinski – mit der SRF-Chefin seit der Absetzung seiner Talksendung ohnehin zerstritten – Wapplers Leistungsausweis als «sehr bescheiden» abkanzelte. Schawinski ist Bundesrat Rösti in Zuneigung verbunden, seit er der mächtigen Verlegerfamilie Lebrument die Konzession für Radio Südostschweiz wegschnappen konnte. Damit darf der gewiefte Zürcher Unternehmer für die Zukunft hoffen, sein Radio 1 im Verbund mit einem Sender für Graubünden und Glarus erheblich besser verkaufen zu können.

 

Bereit für höhere Weihen

Da Ladina Heimgartner ihre Position als CEO der Blick-Gruppe bei Ringier erst vor kurzem angetreten hat, wird Susanne Wille als heisse Kandidatin für höhere Weihen gehandelt. Sei es als SRF-Nachfolgerin einer zur SRG-Generaldirektorin aufgerückten Nathalie Wappler. Oder gar direkt als oberste Chefin der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG und damit als attraktives, in den Deutschschweizer Fernsehstuben bekanntes Gesicht, das sich gegen die Volksinitiative «200 Franken sind genug» in den Kampf stürzen müsste. Auch ist Susanne Wille seit 2020 SRF-Geschäftsleitungsmitglied und Stellvertreterin von Direktorin Nathalie Wappler. Ihren Führungsanspruch und ihre Selbstempfehlung für höhere Weihen bekräftigt hat die SRF-Kulturchefin Wille mit dem berufsbegleitenden Erwerb des begehrten Titels eines Executive Master of Business Administration (MBA) an der privaten Wirtschaftshochschule International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne.

Diese begehrte, insgesamt eineinhalb Jahre dauernde Ausbildung wird in intensiven Blöcken erteilt. Die reinen Kurskosten betragen 80 000 Franken, nicht eingerechnet die Zusatzkosten von 15 500 Franken. Da man angesichts des strengen Programms während der Kurse unmöglich auswärts wohnen kann, kommen durchschnittliche Wohnkosten für ein Ehepaar von 36 000 Franken hinzu. Die weiteren Spesen werden von der Lausanner Privatakademie mit 13 680 Franken angegeben. Dies ergibt zusammengezählt für den Erwerb des MBA-Titels den stolzen Betrag von 145 180 Franken.

Interessant für die Bezahler der geräteunabhängigen SRG-Gebühren, seien es die Privaten oder die Firmen, wäre jetzt die Frage, wer für die Kosten der MBA-Weiterbildung von Susanne Wille aufkommen musste. Die SRF-Medienstelle betont eingangs: «Diese betriebswirtschaftliche Weiterbildung steht in direktem Zusammenhang mit der umfassenden digitalen Transformation und Organisationsentwicklung, die bei SRF seit mehreren Jahren läuft.» Nur hat Susanne Wille als Geschäftsleitungsmitglied und Kulturchefin diese digitale Transformation und Organisationsentwicklung bislang auch ohne MBA-Titel bewältigt. SRF unterstütze «alle Mitarbeitenden, auch Geschäftsleitungsmitglieder, im Rahmen der betrieblichen Bedürfnisse bei der Aus- und Weiterbildung». Dazu gehöre auch «eine finanzielle Unterstützung und/oder die Gewährung der benötigten Zeit».

Was die konkrete Kostenübernahme betrifft, hält SRF fest: «Susanne Wille hat rund 40 Prozent der Kosten selber übernommen und den grössten Teil der Weiterbildung in ihrer Freizeit oder in ihren Ferien absolviert. Laut Vereinbarung ist Susanne Wille ausserdem dazu verpflichtet, ihr vertieftes Wissen im Sinne des Unternehmens für drei Jahre SRF zur Verfügung zu stellen. Sollte sie die SRG früher verlassen, müsste sie einen Pro-rata-Anteil dem Unternehmen zurückzahlen.» Konkret dürfte davon ausgegangen werden, dass das Schweizer Fernsehen Susanne Wille etwa zwei Drittel der MBA-Kurskosten bezahlt hat.

Die frühere Moderatorin hat ihren Lohn von über 300 000 Franken während des Kurses voll bezogen.Weiter teilt die Medienstelle der Weltwoche mit: «Ihren Aufgaben beispielsweise beim Vorantreiben der Transformation oder der Weiterentwicklung des Programms ist Susanne Wille auch während der Ausbildungszeit vollumfänglich nachgekommen. Ihr Pensum bei SRF hat sie nicht reduziert. Ihre fixen Termine während den ausbildungsbedingten Abwesenheiten wurden von der ordentlichen Stellvertretung wahrgenommen.» Die frühere Moderatorin und heutige Medienmanagerin hat also ihren Lohn von über 300 000 Franken auch während der Absolvierung ihres Kurses vollumfänglich bezogen.

 

SRF-Pensum nicht reduziert

Auf die Nachfrage, ob die etwa zwei Drittel Kostengutsprachen des Arbeitgebers für Susanne Willes Lausanner Abwesenheit die Gesamtkosten oder die Kurskosten betrafen, wollte SRF nicht näher eintreten: «Über weitere Details können wir aus personalrechtlichen Gründen keine Auskunft geben.» In den Gängen und in der Kantine der Fernsehstudios im Leutschenbach sind die SRF-Kosten von möglicherweise bis zu 90 000 Franken für Susanne Willes MBA-Titel ein grosses Thema. Von einer ähnlich grosszügigen Förderung und Weiterbildung können die meisten Mitarbeiter nämlich nur träumen. Vor allem beim durchaus nicht hochbezahlten technischen und administrativen Personal ist Feuer im Dach. Es sieht nicht ein, weshalb sich das Schweizer Fernsehen die Förderung einer sonst schon auf Händen getragenen Kaderfrau dermassen viel kosten lässt.

Die 3 Top-Kommentare zu "Susanne Wille studiert auf Staatskosten"
  • Eliza Chr.

    Immer dasselbe: Oben wird abgesahnt auf des Steuerzahlers Kosten. Wille nach vorne, die ach so nette, aber hinter der Fassade profitiersüchtig wie der Rest der SRG. Wieder ein Punkt, die Halbierungsinitiative anzunehmen.

  • geb.dnalor

    Unfassbar. 300‘000 für Moderatorin. Bin sprachlos 😮

  • Ambassador

    Die Initiative "200 Franken sind (MEHR ALS) genug" muss durchkommen. Dann ist es mir egal, ob sie Susanne Wille noch ein Studium der Angewandten Freizeitwissenschaft oder der Friesischen Philologie bezahlen. Die Schmerzensgeldforderung von Uli Maurer wird dadurch nicht erlöschen, d.h. die Qualität des Programms nicht besser.