Bern

Die Zürcher Grünliberale Tiana Angelina Moser hat einen fordernden Alltag. Sie ist Nationalrätin, Fraktionschefin, Ständeratskandidatin und hat mit ihrem Partner, dem Bundesratskandidaten und Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer, sieben Kinder. Die 44-Jährige brachte vor gut sieben Jahren die drei schulpflichtigen Söhne Moritz, Teo und Otto in die Beziehung, der 56-jährige ehemalige SRF-Moderator die zwei erwachsenen Töchter Laura, Gianna und den Teenager Ida. Zusammen haben sie das Mädchen Lotta, das noch im Vorschulalter steckt.

 

Anspruchsvolles Patchwork

Die Organisation einer solch grossen Patchwork-Familie ist anspruchsvoll. Viele Paare, die weit weniger komplizierte Verhältnisse bewältigen müssen, haben gröbere Schwierigkeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Das Power-Duo Moser/Aebischer hingegen erweckt den Eindruck, die beruflichen und privaten Herausforderungen spielend zu meistern. «Ich wollte immer eine grosse Familie – ich geniesse so viel Leben und unterschiedliche Charaktere um mich rum», sagte eine entspannt wirkende Moser im Sommer der Schweizer Illustrierten. Das People-Magazin hatte die Familie auf einen Bräteln-Ausflug ins Berner Schwarzenburgerland begleitet.

So locker Tiana Angelina Moser auftritt, so stressig muss ihr Alltag sein. Offiziell lebt sie in Zürich Witikon, ihr Partner im Berner Marziliquartier. Damit trotzdem ein Familienleben möglich ist, pendelt sie zwischen den beiden Städten hin und her. Regelmässig trifft man sie auf der Bundesterrasse, wie sie, mit Einkaufssäcken beladen, zum Marzilibähnli spaziert. Wenn Session ist – also während dreier Monate im Jahr –, lebt sie ganz in Bern. Praktisch, immerhin ist die Bleibe ihres Partners nur wenige Schritte vom Parlamentsgebäude entfernt. Tagt das Parlament nicht, ist sie am Montag und Dienstag in Bern und von Mittwoch bis Freitag in Zürich. Die Wochenenden verbringt sie mal hier, mal dort. Alles in allem dürfte sie in Bern ähnlich viel Zeit verbringen wie in Zürich.

Nun will Moser nach sechzehn Jahren im Nationalrat in den Ständerat wechseln. Am 19. November tritt sie im zweiten Wahlgang gegen den SVP-Bewerber Gregor Rutz an. Aber kann jemand, der nur teilweise im Kanton Zürich wohnt, diesen als Ständerätin vertreten?

Ja, sagen Mosers Unterstützer. Sie sei ja schon Zürcher Nationalrätin, obwohl sie privat oft in Bern anzutreffen ist. Allerdings, so lässt sich einwenden, ist der Nationalrat die Volksvertretung. Er repräsentiert die Schweizer Bevölkerung. Der Ständerat hingegen ist die Vertretung der Kantone. Seine Aufgabe besteht darin, die Interessen der Stände im Bundeshaus einzubringen. Die Zürcher Kantonsverfassung sagt dazu: «Als Mitglied des Ständerates ist jede stimmberechtigte Person wählbar, die ihren politischen Wohnsitz im Kanton Zürich hat.» Das kann nur bedeuten, dass ein Repräsentant seinen Lebensmittelpunkt im Kanton Zürich haben muss.

 

«Ich bin eine waschechte Zürcherin»

Ob das bei Moser der Fall ist, darüber lässt sich streiten. Klar ist, dass sie für eine mögliche Ständerätin ungewöhnlich viel Zeit ausserhalb ihres Kantons verbringt und im Alltag dadurch mit anderen Problemen konfrontiert wird. Der Blick der Menschen in ihren Reihenhäusern in der links-konservativen Marzili-Bubble auf die Welt ist ein anderer als in der dynamischen Wirtschaftsmetropole Zürich, die sich mit europäischen Zentren wie London, Paris oder Frankfurt misst.

Der Blick auf die Welt in der linken Marzili-Bubble ist ein anderer als in der dynamischen Metropole Zürich.Man kann es auch härter formulieren, wie es manche Kritiker tun. Bei Moser stehe Zürich drauf und stecke Bern drin. Sie sei höchstens eine Teilzeit-Zürcherin. Der grosse Wirtschaftskanton Zürich brauche aber einen Vollzeit-Ständerat. Moser entgegnet: «Ich bin eine waschechte Zürcherin, und es wäre mir Ehre und Freude zugleich, meinen Kanton im Ständerat zu vertreten.»

Die Zürcher Stimmbürger haben in gut zwei Wochen die Wahl: Wollen sie mit dem bereits bestätigten Rechtsprofessor Daniel Jositsch (SP) und mit Tiana Angelina Moser zwei Exponenten in die Kleine Kammer entsenden, die sich politisch kaum unterscheiden? Wollen sie eine Ständerätin, die einen grossen Teil ihres Alltags mit ihrem Partner und der gemeinsamen Tochter in Bern verbringt? Oder soll der grosse Kanton Zürich im Ständerat mit einer Abordnung vertreten sein, die seine ganze Vielfalt repräsentiert: Stadt und Land, Wissenschaft und Wirtschaft, links und rechts?

Die 3 Top-Kommentare zu "Die Teilzeit-Zürcherin"
  • mweber

    Was tut man nicht alles um vom Geld der Steuerzahler zu leben…

  • marlisa.s

    Moser ist eine von Ehrgeiz zerfressene Frau. Sie würde vermutlich auch noch gerne Bundesrätin oder sogar EU-Kommissionspräsidentin werden. Als Euroturbo gehört sie zur Gattung der SchweizabschafferINNEN, faselt aber trotzdem immer von Demokratie. Ihr ist offenbar nicht klar, dass eine Andockung an ihr Sehnsuchtskonstrukt namens EU das definitive Ende unserer direkten Demokratie bedeuten würde. Die Frau hat jedenfalls Rutz wortgewaltig mit ihrem lauten Organ total überfahren.

  • werner.widmer

    Wer erzieht dann die Kinder und hält die Familie zusammen? Eine Angestellte. Zu welchem Lohn? Früher schritt das Sozialamt bei solchen Verhältnissen ein oder diese Familie ist alles andere als aus dem Arbeitsnehmermilieu.