Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sieht die SPD nach der jüngsten Wahlniederlage vor einer existenziellen Herausforderung. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kritisiert das SPD-Urgestein, dass sich die Partei von der gesellschaftlichen Mitte entfernt habe.
«Die SPD hat sich in der Ampelkoalition mit allem Möglichen befasst, Selbstbestimmungsgesetz, Cannabis-Legalisierung, Heizungsgesetz. Themen, die nicht in der Mitte der Gesellschaft liegen», so Thierse. Die Partei sei in den vergangenen Jahren «ziemlich profillos» geworden, ihre ursprüngliche Identität als Partei der sozialen Gerechtigkeit und Arbeitnehmer habe gelitten.
Besonders heftig kritisiert Thierse die thematische Ausrichtung: «Diversität, Identität, Gender et cetera sind Nebenfragen, die nicht dasselbe Gewicht haben dürfen» wie Arbeit, Einkommen, wirtschaftliche Zukunft oder Zukunft des Sozialstaates. Der versprochene Mindestlohn von 15 Euro habe im Wahlkampf kaum Wirkung gezeigt.
Trotz der historisch schlechten Wahlergebnisse fordert Thierse, dass die SPD in der Regierung bleibt, um ein Erstarken der AfD zu verhindern. Ein Rückzug in die Opposition sei keine Option.
Immer und immer wieder im Alltag sexueller Belästigung ausgesetzt zu sein, ist für mich sicher keine Nebensache.
Die Kriegsertüchtigungsfantasien eines Boris Pistorius und anderer haben m.E. zu einer Fluchtbewegung vieler besorgter Wähler zu BSW und Linke geführt. Das Ziel "Volk der guten Nachbarn nach innen und nach außen" ehem. Werbespruch der SPD existiert nicht mehr und die frühere Idee "Mehr Demokratie wagen!" wurde spätestens unter Corona beerdigt. "Wandel durch Annäherung" gegenüber Moskau, wurde aufgegeben. Das 15 € Mindestlohn viele einfache Tätigkeiten unrentabel machen, dürften auch viele Wissen
Ebenso wenig wie die CDU im bürgerlichen Lager ist die SPD als sozialdemokratische Partei reformierbar. Abriß und Neubau sind die einzig sinnvolle Alternative, wobei mit der Linkspartei und der AfD beide Neubauten schon bezugsfertig bereitstehen.