Die Korruption in der ukrainischen Armee sei «schockierend», berichtet der Blick unter Berufung auf das Magazin Ukrajinska Prawda. Für die Schlagzeile sorgt der Fall eines Soldaten der 211. Pontonbrückenbrigade, der am Morgen des 8. Juli 2024 in der Region Tarnopol verschwand. Der Mann sei später zu Hause in einem «kritischen Zustand» aufgefunden worden: «Dünn, blass, erschöpft, verängstigt», schildert ein ehemaliger Militärpsychologe.

Zunächst habe der Soldat jegliche Aussage verweigert, doch schliesslich habe er aus Angst zu schreien begonnen. Er wolle nicht zurückkehren, da er dort «getötet würde, wenn er dem Sohn des Stabschefs kein Geld schicke». Laut Blick hat die Brigade, die vornehmlich aus Ingenieuren bestehen soll, auffällig viele familiäre Verflechtungen. «Väter und Söhne, Ehemänner und -frauen arbeiten Seite an Seite», heisst es.

Der Vorfall dreht sich um den damaligen Zugführer des ersten Bataillons, dessen Vater als Stabschef tätig war – «ein klarer Verstoss gegen die Anti-Korruptions-Gesetze». Der Zugführer habe dem Soldaten mit Versetzung in die Infanterie gedroht, falls keine Zahlungen erfolgten. Er soll zudem regelmässig Untergebene misshandelt haben. Ukrajinska Prawda veröffentlichte Fotos, die den Zugführer zeigen sollen: Ein Soldat ist an ein Holzkreuz gefesselt – eine Bestrafung, die auch der betroffene Mann erlitten hat.

Nachdem der Skandal bekannt wurde, sei der Zugführer in eine andere Einheit versetzt worden. Sein Vater, der Stabschef, habe eine Entschädigung an die misshandelten Soldaten gezahlt. Ein Strafverfahren sei gegen eine Zahlung vorerst eingestellt worden. Der ukrainische Armeechef Oleksandr Syrskyj habe nun eine neue Untersuchung eingeleitet.