Bundesrat Albert Rösti plant eine weitreichende Liberalisierung der Gentechnologie in der Schweizer Landwirtschaft. Der Agrarminister präsentierte ein neues Gesetz, das sogenannte Züchtungstechnologiengesetz, das den Einsatz moderner gentechnischer Verfahren wie Crispr-Cas künftig ermöglichen soll. Diese Technologien gelten als präziser und sollen Pflanzen resistenter gegen Klimaextreme machen – ein zentrales Argument angesichts der jüngsten Ernteverluste durch Dürre und Fäulnis.

Die Schweiz hat seit Jahren ein Gentech-Moratorium in Kraft, das den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verbietet. Dieses läuft 2025 aus. Eine Verlängerung um fünf Jahre gilt als wahrscheinlich.

Rösti will für neue Verfahren eine Ausnahme schaffen. Dabei betont er die Chancen: Die Technologie könne nicht nur Bauern helfen, sondern auch Konsumenten, etwa durch glutenärmere Weizensorten für Allergiker. Unterstützung kommt vom Bauernverband, Detailhändlern wie Coop und Migros sowie vom Agrarkonzern Fenaco.

Kritik kommt von Bio Suisse, der Kleinbauern-Vereinigung und dem Verein für gentechnikfreie Lebensmittel. Sie werfen Rösti und dem Bundesrat vor, die Technologie zu verharmlosen und durch die Wortwahl zu verschleiern, dass es sich um Gentechnik handle. Der Begriff «Gentechnologie» taucht im Gesetzestext nicht auf – stattdessen ist von «neuen Züchtungstechnologien» die Rede. Für die Gegner ist das ein Etikettenschwindel, zumal die Bevölkerung laut Umfragen gentechnischen Eingriffen nach wie vor skeptisch gegenübersteht.

Auch das Bundesamt für Justiz äusserte Bedenken. Die Einführung eines Spezialgesetzes könne fälschlicherweise den Eindruck erwecken, es handle sich nicht um gentechnisch veränderte Organismen. Rösti hält dagegen: «Wir verheimlichen nichts.» Der Begriff sei neu, weil die Technologie sich fundamental von früheren Gentech-Verfahren unterscheide. Die Sicherheit sei gemäss Studien höher – auch die EU prüft eine Lockerung der Regeln.

Im Frühling 2026 soll das Parlament über das neue Gesetz entscheiden.