Er liess sich vom Filz im kleinräumigen Schaffhausen nicht aufhalten. Auch wenn der Regierungsrat und das kantonale Obergericht mit allerhand juristisch-politischen Pirouetten die verfassungswidrige Wahl des SP-Kandidaten Simon Stocker zum Ständerat geradebiegen wollten. Der in Löhningen im Klettgau wohnhafte Peter Diethelm blieb hartnäckig und bekam vor Bundesgericht recht: Ständerat Simon Stocker wurde per sofort seines Amtes enthoben, der Regierungsrat musste Neuwahlen ansetzen.

Wer ist der mutige Bürger, der sich von der Kantonsobrigkeit nicht einschüchtern liess und seine staatsrechtliche Beschwerde am Schluss als Einzelkämpfer bis vor die höchste Gerichtsinstanz des Landes weiterzog?

Peter Diethelm, Jahrgang 1949, stammt aus dem thurgauischen Hefenhofen und ist mit zwei Brüdern als Sohn eines Versicherungsangestellten in Winterthur aufgewachsen. Schon früh engagierte er sich leidenschaftlich für den Naturschutz und hat sich als jüngster «Vogelberinger» der Schweiz um die heimische Vogelwelt verdient gemacht. Als eigentlicher Umweltaktivist rief Diethelm im Landboten die Mitbürger auf, Riedgebiete vor der Verbuschung zu bewahren. Als in den Nussbaumer Seen dramatischer Wassermangel herrschte, folgten zahlreiche Mitbürger seiner Bitte, Muscheln und Krebse im trockenen Ufergebiet zu retten.

Das besondere Engagement von Peter Diethelm galt auch der Thurlandschaft. Sein Kampf gegen ein 78-Millionen-Projekt der Verbauung und Begradigung dieses Flusses trug ihm im Beobachter einen ebenso ausführlichen wie anerkennenden Artikel ein. Diethelm war beteiligt an der Gründung der Vereinigung Pro Thur und der «Thurfreunde».

Nach dem Biologiestudium an der Universität Zürich arbeitete Diethelm zweitweise in einem Ökobüro im Aargau und nahm Vertretungen als Biologielehrer an Gymnasien und Oberstufen wahr. Immer wieder packte ihn aber die Reise- und Abenteuerlust.

Diethelms besonderes Interesse galt der Inselökologie der Ozeane und bald schon der Vulkanologie, weshalb er auch noch einige Semester Geologie studierte. Peter Diethelm reiste um die ganze Welt und bestand an den brodelnden Kraterwänden und in unmittelbarer Nähe von feuerspeienden Vulkanen manches Abenteuer.

Der Naturliebhaber wohnt nunmehr seit Jahrzehnten im schaffhausischen Löhningen. Schon als Kantonsschüler beschäftigte ihn die Zuwanderung und Übervölkerung der Schweiz, weshalb er sich zum Befremden der Lehrer und der meisten Mitschüler für die Schwarzenbach-Initiative einsetzte. Als Belohnung für die harte Arbeit zwecks Bestehens der Matura machte er sich den Austritt aus der katholischen Kirche gewissermassen zum Geschenk.

Peter Diethelm ist parteilos, aber Mitglied von Pro Schweiz und der früheren «Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz» (Auns). Die Politik der SVP liege ihm am nächsten, meint er im Gespräch, abgesehen von ökologischen und landwirtschaftlichen Fragen.

Aktiv unterstützte Diethelm den Ständeratskandidaten Thomas Minder bei der erfolglosen Wiederwahl von 2023. Er bewundert am parteilosen Politiker die Unerschrockenheit und Unabhängigkeit, mit denen dieser sich als «Exot» in Bern für seine Anliegen einsetzte. Diethelm hat schon in jungen Jahren Minders Vater kennengelernt, der sich um die Vogelwelt sehr verdient gemacht hat. Folgerichtig gehörte Peter Diethelm zum kleinen Kreis aktiver Unterstützer von Minder und war entsprechend enttäuscht, als ihm Simon Stocker mit einem seiner Meinung nach weit geringerem Leistungsausweis den Ständeratssitz wegschnappte. Und dies unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, wie jetzt das Bundesgerichtsurteil über dessen Stadtzürcher Wohnsitz urteilte.

Als Peter Diethelm den Artikel von Philipp Gut über den Hauptwohnsitz des Schaffhauser Ständerates in der Weltwoche gelesen hatte, war für ihn klar: Hier findet eine Verfassungsverletzung statt, hier muss man sich als Bürger zur Wehr setzen. Im Winterthurer Rechtsanwalt und FDP-Bezirksrat Peter Rütimann fand Diethelm den juristisch und politisch versierten Fachmann, der nie den geringsten Zweifel an der Unrechtmässigkeit von Stockers Wahl hegte.

Der weitere Verlauf hat den beiden recht gegeben. Wie die Weltwoche weiss, ist Peter Diethelm wegen seines hartnäckigen Kampfes gegen den Schaffhauser Filz beim Beobachter für den «Prix Courage 2025» vorgeschlagen worden.