In der Wissenschaft soll man sich bekanntlich im Gebrauch von Titeln und Abschlüssen streng an die Wahrheit halten. Dies sollte auch für die NZZ gelten, die das Pendlerleben des deutsch-ägyptischen Doppelbürgers Omar El Manfalouty zwischen Frankfurt am Main und Zürich in vielen Details beschreibt.

Der in Deutschland lebende Historiker ist seit 2022 am Historischen Seminar der Universität Zürich tätig, gegenwärtig als Oberassistent am neugegründeten Lehrstuhl für die «Geschichte Asiens und Europas im ersten Millennium». Der Lehrstuhlinhaber ist ebenfalls seit 2022 der aus Deutschland stammende Felix K. Maier.

Omar El Manfalouty sitzt für die SPD im Ortsvereinsvorstand Egelsbach. Er würde zwar aus ökologischen Gründen lieber den Zug benützen, doch sei dieser zeitlich höchst unzuverlässig. Neben seinem Interesse für ökologisches Verhalten bei der Fortbewegung hat Omar El Manfalouty laut NZZ einen «Nebenjob als Fluglehrer» und sei «ausgebildeter Linienpilot».

Tatsache ist: Omar El Manfalouty ist mitnichten ein Linienpilot. Als solcher müsste er über ein Type-Rating verfügen, was nicht der Fall ist. Er hat beruflich nie eine Fluggesellschaft von innen gesehen, es sei denn als Passagier.

Die Weltwoche hat El Manfalouty gefragt, bei welcher Linien-Fluggesellschaft er einen Vertrag habe, damit er sich «Linienpilot» nennen könne. Denn keine Fluggesellschaft würde das jährlich zu überprüfende Type-Rating eines Linienpiloten für jemanden bezahlen, der als Historiker und nicht mit einem gültigen Vertrag im professionellen Pilotenberuf arbeitet. Seine Antwort: «Wie im Artikel steht, habe ich eine berufliche Ausbildung abgeschlossen, die zum Führen von Verkehrsflugzeugen berechtigt, und bin nebenberuflich als Fluglehrer (und nicht als Linienpilot) tätig.» Omar El Manfaloutys Behauptung, er hätte die berufliche Ausbildung abgeschlossen, die ihn zum Führen von Verkehrsflugzeugen berechtigt, ist etwa so korrekt wie die Aussage, er habe mit dem Abitur seine Ausbildung abgeschlossen, um Medizin zu studieren. Demzufolge sei er Arzt.

Es handelt sich bei diesem Wissenschaftler und «Linienpiloten» aus Deutschland also um einen Blender. Wobei sich Schweizer Universitäten und die Schweizer Zeitungen ganz gerne blenden lassen.

Über ein weiteres Hobby hat Althistoriker Omar El Manfaloutys 2022 berichtet: Er ist seit sechs Jahren für die in der Schweiz ansässige Humanitarian Pilots Initiative unterwegs. Dabei geht es darum, in Flugzeugen Flüchtlingsboote auf dem Mittelmehr zu sichten, die Behörden zu Rettungsaktionen zu veranlassen und die schwerintegrierbaren Nordafrikaner möglichst nach Europa zu bringen.

Gerade die Zuversicht, irgendwie werde man durch irgendjemanden schon gerettet, ermutigt jährlich über 250.000 Wirtschaftsmigranten zu ihren lebensgefährlichen Mittelmeer-Überfahrten. Und es sind genau solche «humanitären Einsätze», die das menschenverachtende Geschäft der Schlepper ankurbeln.