Es gibt Reizworte, die lösen in Deutschland zuverlÀssig die gleiche Reaktion aus. Schuluniform.

Die blosse Nennung des Begriffs löst panische Abwehrreflexe aus: Kinder in Uniform. Volkssturm. Nazi.

Nun hat der Bundeselternrat unfreiwillig die Debatte wieder angestossen. Er beklagte die oft «lottrige, zerrissene und freizĂŒgige» Kleidung vieler SchĂŒler und forderte verbindliche Bekleidungsvorschriften an Schulen.

NatĂŒrlich protestierten die Lehrer, indem sie löchrige Jeans und laszive Tops zu Fanalen westlicher Werte erklĂ€rten: «Wir sind in Deutschland aufgrund unserer Geschichte anders auf Freiheit ausgerichtet», geiferte der Lehrerbund.

Prompt brachte der Verband Bildung und Erziehung die gefĂ€hrliche Schuluniform ins Spiel. Als ob eine RĂŒckkehr zu Hitler-Jugend und Bund Deutscher MĂ€dels geplant wĂ€re.

Millionen Kinder auf der ganzen Welt stecken ihre ganze Schulzeit in einer Uniform, ohne dass es ihnen schadet. Aber dem deutschen Kind – Gendefekt? – ist nicht zu trauen – selbst in Plissee-Rock und Blazer.

Es ist ein banales, aber vielsagendes Beispiel. Es zeigt, wie sehr sich Deutschland mit seiner Erinnerungskultur den Blick auf Gegenwart und Zukunft verstellt.