Während Politik und Medien zum Schüren der Klimapanik schnell mit Superlativen bei Naturereignissen zur Hand sind, zeugen die Zahlen bei der gegenwärtigen Hochwasserkatastrophe tatsächlich von einer Jahrhundertflut. Insgesamt waren 41.000 Feuerwehrleute im Einsatz. 20.000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. 117 Menschen mussten per Hubschrauber gerettet werden. Zwanzig Dämme sind gebrochen. Die Hubschrauber des Bundesheeres mussten tausend Tonnen an «Big Bags» heranschleppen, um diese wieder abzudichten. Auch Wien erlebte ein Anschwellen des gleichnamigen Flusses, und so mussten 960.000 Liter Wasser aus den U-Bahnen abgepumpt werden.

Der Wahlkampf stand für einige Tage still. Zumindest offiziell. SPÖ-Chef Babler schlüpfte in die Feuerwehruniform seiner Gemeinde Traiskirchen. ÖVP-Chef Nehammer liess sich im Krisenstab briefen. FPÖ-Chef Kickl dankte den Einsatzkräften via Social Media. Der Spagat zwischen Schröder 2002 und Klima 1997 ist heikel.

Die erste Umfrage, die die Katastrophe bereits eingepreist hat, spricht von einem Fotofinish, was dem Hochwasserwahlkampf geschuldet ist. Die Österreichische Gesellschaft für Meinungsforschung, OGM, hat für Servus TV 1022 Wähler vom 16. bis zum 18. September befragt. Freiheitliche und Volkspartei liegen mit 26 beziehungsweise 25 Prozent nur noch einen Punkt auseinander. Die SPÖ muss sich mit 21 Prozent und dem dritten Platz begnügen. Die Grünen dürften doch noch mit 10 Prozent einen Punkt vor den Neos liegen. Bierpartei und KPÖ können nicht mehr mit einem Einzug in den Nationalrat rechnen.

Die Wahrnehmung des Krisenmanagements sorgt für das «Rally ’round the Flag»-Momentum. Das TV-Duell der aussichtsreichsten Kanzleranwärter Kickl und Nehammer wird am 20. September mit Spannung erwartet. Ähnlich wie 1999, wo im Kampf um Platz zwei die FPÖ mit 415 Stimmen vorne lag.

Einen Vorgeschmack bot die letzte Sitzung des alten Nationalrats. Die ÖVP verwahrte sich noch immer gegen «Untergangsszenarien». Jedoch müsse man mit «Know-how» und Kreativität gegen den Klimawandel ankämpfen. Grüne sahen sich naturgemäss bestätigt. Wenn Jahrhundertereignis auf Jahrhundertereignis folge, könne man nicht mehr den Kopf in den Sand stecken. Die Sozialdemokraten wollen Geschädigten im allfälligen Kampf gegen Versicherungen helfen. Aus dem Burgenland erfolgte der Vorschlag des SPÖ-Granden Doskozil, eine Versicherungspflicht für Naturkatastrophen einzuführen.

Dem stehen die Freiheitlichen skeptisch gegenüber. Das wäre eine neue Steuer durch die Hintertür. Zwar werde der Katastrophenfonds von 300 Millionen Euro auf eine Milliarde aufgestockt. Jedoch hätten vergangene Katastrophen gezeigt, dass dieser immer wieder geleert werde, um Budgetlöcher zu schliessen. Immerhin 900 Millionen seit dem Jahr 2010.

Vielmehr sollte ein Rechtsanspruch für Geschädigte geschaffen werden. Damit diese nicht mehr als Bittsteller dem Fonds als «politischem Instrument» von VP-Bürgermeistern gegenüberstehen. Eine Gegenfinanzierung könne leicht über Einsparungen bei Asyl, Ukraine-Hilfe und «Sky Shield» erfolgen.