Im kommenden Juli steht die Schweiz im Bann des Frauen-Fussballs. Die Euro ist das grösste Sportereignis, das unser Land je allein organisiert hat. Dies rückt den Fokus auf Protagonistinnen, die nicht nur mit sportlichen Qualitäten überzeugen.

Beispielsweise Alisha Lehmann.

Für alle Nichteingeweihten: Die 26-jährige Bernerin ist Stürmerin von Juventus Turin. Sie verbringt mehr Zeit vor dem Spiegel als im gegnerischen Strafraum. Ihre künstlichen Augenwimpern sind auffälliger als ihre Abschlussstärke und ihr linker Fuss. Lehmann hat 16,5 Millionen Follower auf Instagram.

Dies macht sie zu einem nicht zu unterschätzenden Werbefaktor im Schweizer Fussball – und zu einem Vorbild für die Tiktok-Generation.

Lara Dickenmann (39), ehemalige Nationalspielerin aus Kriens und die bekannteste Schweizer Fussballerin des vergangenen Jahrzehnts, liest im Blick-Podcast «Forza» ihrer Kollegin nun aber die Leviten: «Als Profi muss man die ganze Energie für Training und Spiel aufbringen. Das ist ein 100-Prozent-Job. Die Zeit neben dem Rasen widmet man der Erholung, dem Krafttraining und der richtigen Ernährung.»

Mit Blick auf Lehmann kommt Dickenmann zum Schluss, dass die ständige Selbstinszenierung für die sportliche Seriosität eher schädlich ist. Sie könne es sich nicht vorstellen, dass sich dies alles mit dem Leben als Profi vereinbaren lasse. Auch dass Lehmann in der «Baller-League» für Instagram-Stars auftrete, sei ein schlechtes Zeichen.

So bringt Dickenmann Verständnis für die Schweizer Nationaltrainerin Pia Sundhage auf, die Lehmann im aktuellen Aufgebot nicht berücksichtigt hat. Dickenmann: «Alisha hat mich in der Nati zuletzt wenig überzeugt. Sie ist zwar schnell, aber es schaut in der Regel wenig heraus.»

Der langen Rede kurzer Sinn: Das Leistungsprinzip muss im Sport immer zuerst kommen – und nicht die Anzahl Follower in den sozialen Medien – oder die Präzision des Lidstrichs.