Er ist der bürgerliche Wackelkandidat im Rennen um einen Sitz im Zürcher Stadtrat: FDP-Mann Michael Baumer droht von der linken Welle weggespült zu werden.

Nun greift er zum grünen Feigenblatt und geht mit der eigenen Parteileitung auf Konfrontationskurs.

Während die nationale FDP und auch die Zürcher Sektion den Antrag befürworten, das AKW-Verbot wieder aufzuheben, schlägt sich Baumer auf die andere Seite und sagt gegenüber dem Tages-Anzeiger: «Als städtischer Energie-Minister ist der Bau von Atomkraftwerken bei mir kein Thema.» Der Fokus müsse auf der Förderung von erneuerbaren Energien liegen – wie dies in Zürich auch getan werde.

Er verweist auf die Gemeindeordnung. In einer Abstimmung von 2016 sprachen sich die Stimmberechtigten für den Ausstieg aus der Kernenergie aus.

Nun ist in der Gemeindeordnung verankert: Bis 2034 muss die Stadt ihre Beteiligungen an Atomkraftwerken loswerden, und sämtlicher Strom muss kernenergiefrei sein.

Damit beugt sich Baumer dem Zeitgeist. Die stromtechnische Realität sieht aber anders aus. Die Gefahr einer Strommangel-Lage wird als ebenso bedrohlich eingestuft wie die einer neuerlichen Pandemie.

Und hier beisst sich die Katze in den Schwanz. Wo soll der Strom herkommen, um Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge zu speisen? Die Solarkraft funktioniert nur im Sommer optimal. Und gegen diverse Wasserkraft-Projekte besteht Opposition ausgerechnet aus grünen Kreisen.

Wahlkampf in Ehren, aber bei seiner Energie-Theorie macht FDP-Mann Baumer die Rechnung ohne den Wirt.