Wolodymyr Selenskyj setzt auf einen politischen Kurswechsel in Berlin: Der ukrainische Präsident äusserte sich bei einem Treffen mit Aussenministerin Annalena Baerbock in Kiew optimistisch, dass ein künftiger Kanzler Friedrich Merz (CDU) – anders als Olaf Scholz (SPD) – bereit sein könnte, die von der Ukraine lange geforderten Taurus-Marschflugkörper zu liefern.

Während Scholz sich wiederholt gegen eine Lieferung ausgesprochen hatte, erklärte Selenskyj nun: «Wir werden daran arbeiten», Gespräche würden laufen. Konkrete Zusagen wollte er allerdings nicht nennen, solange Merz das Kanzleramt nicht offiziell übernommen habe. Das Magazin Spiegel zitiert Selenskyj weiter mit den Worten, er habe «ein klein wenig mehr als Hoffnung» auf eine Kursänderung in der deutschen Ukraine-Politik.

Die Ukraine fordert die hochpräzisen Marschflugkörper mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern seit Monaten, um russische Nachschublinien und Infrastruktur auch tief im besetzten Hinterland angreifen zu können. Die Bundesregierung hatte dies bislang mit Verweis auf eine mögliche Eskalation des Krieges abgelehnt.
Der Besuch Baerbocks gilt als Abschiedsbesuch der Grünen-Politikerin, deren Amtszeit demnächst endet.