Präsident Donald Trump hat eine aggressive und weitreichende Politik der «reziproken Zölle» unterzeichnet.

Für viele überraschend, soll die Schweiz besonders hart abgestraft werden.

Gleich hinter China werden der Schweiz 31 Prozent Strafzölle aufgebürdet. Diese seien eine Reaktion auf die Zölle von 61 Prozent, welche die Schweiz auf US-Produkte erhebe. Wie letztere Zahl berechnet wurde, blieb zunächst unklar.

Bemerkenswert: Die Schweiz wird deutlich heftiger abgestraft als die EU, die mit 20 Prozent Strafzöllen belegt wurde.

Donald Trumps ehemalige Botschafter in der Schweiz rät derweil, ruhig Blut zu bewahren.

Angesprochen auf die hohen Strafzölle für die Schweiz, sagt Ed McMullen zur Weltwoche: «Dies ist ein erster Schritt, wie wir ihn auf ähnliche Weise bereits 2017 gesehen haben.»

McMullen führt die hohe Marge an Strafzöllen auf Fehlinformationen zurück, namentlich auf eine Grafik von Bloomberg News.

«Die Bloomberg-Grafik, die die Schweiz fälschlicherweise auf die Liste der Zollmissbraucher setzte, muss mit genauen und zuverlässigen Daten korrigiert werden», so McMullen.

«Sobald die Schweiz ihre wichtige Handelspartnerschaft mit den USA artikuliert hat, wird die nächste Phase beginnen, und die Schweizer Arbeitsplätze und der Handel werden weiterwachsen», ist McMullen überzeugt.

Die Schweizer Regierung habe auf die Verkündung der Strafzölle absolut richtig reagiert: Sachlich statt konfrontativ. «Ich denke, Bundespräsidentin Keller-Sutter hat den richtigen Ton getroffen.»

In einer ersten Reaktion schrieb Keller-Suter auf X: «Der Bundesrat nimmt die Zollentscheide der USA zur Kenntnis. Er wird rasch das weitere Vorgehen festlegen. Im Vordergrund stehen die langfristigen wirtschaftlichen Interessen des Landes. Treue zum internationalen Recht und Freihandel bleiben zentrale Werte.»

Keller-Suter und Wirtschaftsminister Guy Parmelin werden demnächst in die USA reisen.

Im Interview in der aktuellen Weltwoche-Ausgabe zeigt sich McMullen zuversichtlich, dass die engen Beziehungen zwischen den beiden Ländern intensiviert werden könne. Trump kenne und möge die Schweiz.

Und das Team der Schweizer um Keller-Suter, Parmelin und Staatssekretärin Helene Budliger sei gut aufgestellt: «Diese Menschen verstehen die Vereinigten Staaten auf eine Weise, wie es in Europa niemand zu verstehen scheint. Sie kommen nach Washington, finden die richtigen Ansprechpartner, pflegen diese Beziehungen und bringen sie voran.»

Dass die Schweiz mit hohen Strafzöllen belegt wurde, führen regierungsnahe Stimmen in Washington auf Peter Navarro zurück. Navarro ist der Architekt von Trumps Zollpolitik.

«Navarro und seine Handlanger haben sich faul auf die Bloomberg-Liste verlassen, die ungenau war», so eine Stimme mit guten Kontakten zur Regierung Trump.