Geht es um die Europapolitik, bewegt sich Elisabeth Schneider-Schneiter auf schmalen Grat. Eine am Mittwoch publizierte Umfrage von Leewas hat die Mitte-Nationalrätin (auf X) wie folgt kommentiert: «EU-Vertragspaket: Mehrheit der Schweizer ist dafür. Es ist der massgeschneiderte Weg für die Schweiz.»

Nun kommt es natürlich drauf an, wie man Mehrheit definiert. Wenn man vom relativen Mehr ausgeht – mehr Stimmen dafür als Stimmen dagegen –, dann ist die Aussage Schneider-Schneiters sehr unpräzis. Gemäss der Umfrage bilden jene Befragten, die «eher» für die EU-Verträge sind, mit 30 Prozent die grösste Gruppe. Die, die «klar dafür» sind, machen lediglich 17 Prozent aus.

Auf der anderen Seite sind 18 Prozent «klar dagegen», 17 Prozent «eher dagegen». 18 Prozent machen «keine Angaben», die Umfrage-Autoren werten diese Gruppe als «Unentschiedene». Selbst wenn man aus den Resultaten zwei Gruppen macht, beschönigt Schneider-Schneiter die Zahlen.

Man kann sagen: 47 Prozent sind im Moment dafür oder eher dafür, 35 Prozent dagegen oder eher dagegen. Die Autoren sprechen von einer «relativen Mehrheit», die für das neue Vertragspaket sind – das ist immer noch zugespitzt, aber immerhin präziser, als es die Mitte-Nationalrätin weitergibt.

Deren Aussage, wonach eine Mehrheit für die EU-Verträge sei, bleibt – zumindest auf Grundlage der Leewas-Umfrage – falsch. Dafür brauchte es eine absolute Mehrheit, 50 Prozent plus eine Stimme der Befragten.