Lima – Erst nach Mitternacht wurde das angebliche Resultat der Präsidialwahlen in Venezuela verkündet: 51,2 Prozent für den seit zwölf Jahren regierenden Diktator Nicolás Maduro, 44,2 Prozent für Edmundo González, den Kandidaten der Opposition.

Überraschend an diesen Zahlen ist lediglich, dass das Regime dem Diktator nicht mehr Stimmen zubilligte – und der Opposition so viele.

Gemäss der Oppositionsführerin María Corina Machado dürfte es in der Realität umgekehrt sein: Rund zwei Drittel der Stimmen für González, ein Drittel für Maduro. Dies soll eine Auszählung der Stimmen aus den wenigen Wahllokalen ergeben haben, zu denen sich die Opposition Zugang verschaffen konnte. Meinungsumfragen brachten ähnliche Resultate.

Der Wahlbetrug ist nichts Neues in Venezuela, und er zeichnete sich von langer Hand ab. Die meisten Oppositionspolitiker sind im Gefängnis oder nicht zur Wahl zugelassen; die über acht Millionen Regime-Flüchtlinge im Ausland durften nicht abstimmen; allein der Wahlzettel, auf dem Maduro prominent erscheint, während González unter Dutzenden von Phantomkandidaten versteckt wird, spricht Bände.

Die grosse Frage ist, wie lange sich Maduro noch halten kann. Nach den letzten Wahlbetrügereien (2017/2018) kam es zu massiven Ausschreitungen, die das Regime mit einem Blutbad unterdrückte. Gemäss Human Rights Watch erschossen die Ordnungskräfte und Maduros Schlägertruppen damals gegen 7000 Regimegegner. Es gibt Anzeichen, dass das Militär diesmal nicht mehr mitmacht. Ein Sturz des durch und durch korrupten Maduro-Clans würde allerdings nicht automatisch das Ende der Diktatur bedeuten. Maduros interne Rivalen stehen längst in den Startlöchern.

Wladimir Putin, Xi Jinping und Miguel Díaz-Canel (Kuba), seine treusten Verbündeten, haben Maduro bereits gratuliert. Doch in der Nachbarschaft wenden sich selbst sozialistische Regierungen von Maduro ab. Während Gabriel Boric (Chile) den offenkundigen Wahlbetrug in Venezuela unmissverständlich verurteilte, äusserten sich Lula da Silva (Brasilien) und Gustavo Petro (Kolumbien) bereits im Vorfeld kritisch. Das Regime um Evo Morales in Bolivien dürfte der letzte Verbündete in Südamerika sein, auf den Maduro noch zählen kann.