In der langen Geschichte des Geldes ist die Münze so etwas wie eine ewige Konstante, seit sie im 7. Jahrhundert vor Christus erstmals in Kleinasien geprägt wurde. Sie hat Weltreligionen kommen und gehen sehen und sämtliche Kriege überstanden. Mit ihrer Kaufkraft hielt sie die Schwungräder von Wirtschaft und Politik im Gang. Ihre Verwandtschaft mit den Edelmetallen Silber und Gold verschafft ihr einen Hauch von Magie. Und sie ist nicht totzukriegen. Auch in Zeiten von digitalem Bankengeld, Kryptowährungen und Kreditkarten erfreuen sich die Münzen grosser Beliebtheit als Zahlungsmittel oder als Sammlerstück.

Die einzige Institution, die in der Schweiz Münzen prägen darf – also einen Nominalwert in Franken auf einen metallischen Rohling prägen –, ist Swissmint, die Eidgenössische Münzstätte. Als bundeseigener Betrieb ist sie dem Eidgenössischen Finanzdepartement angegliedert. Schon das Gebäude flösst Ehrfurcht ein: Wer den Hauptsitz von Swissmint im Berner Kirchenfeldquartier betritt, erkennt auf Anhieb die architektonische Verwandtschaft mit dem Bundeshaus. Im eindrücklichen Treppenhaus ziert eine Helvetia-Figur die Decke.

 

Makelloser Glanz

Der klassizistische Bau wurde im Jahr 1906 in Betrieb genommen. Die schweizerischen Münzen wurden ab 1855 einige Jahrzehnte lang in der ehemaligen Berner Münzstatte, dem heutigen Hotel Bellevue geprägt; noch früher liess die Eidgenossenschaft ihr Bargeld gar in Frankreich herstellen.

Eindrückliche Kamine legen Zeugnis davon ab, dass hier früher das Metall selber eingeschmolzen wurde.

Die eindrücklichen Kamine, die man vom Innenhof aus sieht, legen Zeugnis davon ab, dass hier früher das Metall sogar selber eingeschmolzen wurde. «Heutzutage erhalten wir die Rohlinge fertig geliefert», erklärt Jan Niklas Betz, der Marketingleiter von Swissmint. Gemeinsam mit ihm durchschreiten wir die weitläufigen Lager- und Produktionshallen. In einer Ecke sind die metallenen Kisten aufgestapelt, in denen die Münzen bei der Swissmint eintreffen, bevor sie in Münzkartons pro Nominal an die Nationalbank geliefert werden. «Max. Gewicht 1000 Kilogramm» steht auf den Kisten. «Die Nationalbank bestellt jedes Jahr eine gewisse Menge, in Abhängigkeit von ihrer Bargeldprognose», sagt Betz. Während 2023 relativ wenige Münzen produziert worden seien, ist der Bedarf für die 2024er-Serie besonders gross. «Im kommenden Jahr werden wir rund siebzig Millionen Münzen prägen.»

Die Prägung der Umlaufmünzen sei zwar der zentrale Auftrag von Swissmint, aber nicht der einzige, erklärt der Swissmint-Mann. Technologisch bleibe die Organisation am Puls der Zeit, indem sie auch Sammlermünzen herstelle. Wir betreten die Werkstatt, in der diese entstehen. Ein knorriger älterer Arbeiter im blauen Overall installiert gerade den Prägestempel für die Sammler-Edition der 2023er-Serie. «Münzen sind weltweit das meistgesammelte Objekt», erläutert Betz. Er nimmt einen Fünfliber in die Hand.

 

Bekenntnis zur Schweiz

Makellos glänzend präsentiert sich die frischgeprägte Parademünze. «Der Prägestempel wird», erklärt Betz, «bei diesen speziellen Editionen häufiger aufs Metall geschlagen, damit das Relief besonders vollständig und tief wird.» Diese besonders aufwendig hergestellten Münzen werden in Jahrgangssätzen für zwischen 45 und 90 Franken verkauft. «Das ‹B› ist das Kennzeichen für die Münzprägeanstalt Bern in der internationalen Codierung.» Ein Gütesiegel, denn «Schweizer Münzen bewegen sich technisch auf einem extrem hohen Stand». Nicht umsonst habe sich das Goldvreneli, obwohl es längst nicht mehr produziert werde, zu einer der international begehrtesten Sammlermünzen entwickelt.

«In den nächsten Wochen werden wir rund siebzig Millionen Münzen prägen.»Besonders interessant sind allerdings die Sondermünzen, deren Gestaltung sich von den Umlaufmünzen abhebt. Diese widmet Swissmint in der Regel bestimmten Projekten oder Jubiläen von nationaler Bedeutung. Oftmals sind sie in Edelmetallen wie Gold oder Silber gehalten. «Jedes Thema für eine solche Sondermünze wird durch die Vorsteherin des Finanzdepartements genehmigt, das Sujet durch die Direktorin der Eidgenössischen Finanzverwaltung.» Der Fantasie sind hier wenige Grenzen gesetzt – einzige Auflage ist, dass das Sujet etwas mit der Schweiz zu tun hat und nicht politisch ist. Ein jüngerer Erfolg in diesem Bereich war die Sondermünze zum 175-Jahr-Jubiläum der Bundesverfassung. «In der Person von Karin Keller-Sutter stellte erstmals eine Bundesrätin die neue Sondermünze vor», sagt Betz. Anschliessend sei die auf 3000 Stück limitierte Sondermünze aus Silber im Bernerhof verkauft worden. Kostenpunkt: knapp hundert Franken. «Die Leute standen schon um sechs Uhr Schlange.» Ebenfalls 2023 präsentierte Swissmint eine Goldmünze, welche die Sprachenvielfalt der Schweiz zelebriert.

Für das kommende Jahr plant Swissmint fünf neue Sondermünzen. Um welche Sujets es sich handelt, darf Jan Niklas Betz noch nicht verraten. Nur so viel: Die Prägung von Münzen entwickle sich immer weiter. Und Swissmint sei bestrebt, seinem Ruf als Hersteller von kreativen, technologisch höchststehenden Sammlerobjekten made in Switzerland auch 2024 gerecht zu werden.