Wie gross ist eigentlich der Staat? Nach der Rettung der Credit Suisse kommt die Frage auf, wie weit die hochregulierte Bankenbranche noch als Privatsektor oder schon als hoheitlich gelenkt einzustufen ist. Die beschleunigte Förderung der Solar- und Windenergie führt dazu, dass Investitionen Privater in Panels und Windräder bis über die Hälfte öffentlich, quasi von den Nachbarn, finanziert werden. Und der Anteil der Beschäftigten, die beim Staat oder in staatsnahen Branchen arbeiten, nimmt in der Schweiz laufend zu.

Der Think-Tank Avenir Suisse veröffentlichte kürzlich eine Untersuchung zum Staatswachstum, die darlegt, an wie vielen Stellen und wie variantenreich sich der öffentliche Sektor ausdehnt.

Etwa als Magnet im Arbeitsmarkt: Die Stellen beim Staat und in staatsnahen Betrieben haben zwischen 2011 und 2019 insgesamt um 13 Prozent zugenommen, wogegen in der gleichen Zeit die Beschäftigung im Privatsektor um 8 Prozent gewachsen ist. Wie die Bevölkerung, die auch um rund 8 Prozent zulegte.

Avenir Suisse sagt es so: «In den 2010er Jahren ist die staatliche Beschäftigung auf allen Staatsebenen stärker gewachsen als die Bevölkerung.» Die Staatsbetreuung pro Kopf wurde also intensiver.

Oder deren Arbeit weniger effizient. Nehmen wir den Bildungssektor mit einem Personalplus von ebenfalls 13 Prozent. Dazu steht in der Avenir-Suisse-Studie: «Im staatlichen Bildungssektor ist die Beschäftigung um 6 Prozentpunkte stärker gewachsen als die Zahl der Lernenden und Studierenden.»

Also Kostenwachstum grösser als Kundschaftswachstum: Fehlt es der Verwaltung an Unternehmergeist? Zeigen die Bürochefs zu wenig Ehrgeiz, ihre Abteilungen zu profilieren und auf mehr Leistung auszurichten?

Nein, das Problem ist oft eher: zu viel Unternehmergeist, Ehrgeiz und Ausrichtung der Verwaltungschefs auf mehr Aufgaben, auf mehr Leistung – mit dem Ziel, ihre Verwaltung grösser, kräftiger und bedeutender zu machen. Grösser ist besser.

In der obligatorischen Schule und Sekundarschule zum Beispiel wird das Beschäftigungswachstum laut Fachleuten vor allem angetrieben durch zusätzliches unterstützendes Personal in den offiziell angeordneten, immer komplexeren pädagogischen Modellen.

Regierungsrätin Silvia Steiners Bildungsdirektion des Kantons Zürich führt im Moment vor, wie Expansion geht. Unter dem Titel «Governance Sekundarstufe II» ging jüngst eine Vernehmlassung über die Bühne, die auf einen umfassenderen Durchgriff des Staats auf Mittelschulen und Berufsschulen zielt.

Die Führungs- und Organisationsstrukturen sollen so angepasst werden, dass «die Effizienz von Entscheidungs- und Steuerungsprozessen im Bildungsalltag der Sekundarschulstufe» erhöht werde. Konkret will man künftig die Rektorinnen und Rektoren der 38 kantonalen Mittel- und Berufsfachschulen zentral führen. Um das umzusetzen, rechnet die Bildungsdirektion vorläufig mit 0,3 Personalstellen pro Schule. Die Verwaltungsvergrösserung ist gesichert.

Und ein Plus an Befehlsgewalt: Mit der neuen Governance strebe man «eine Professionalisierung im pädagogischen, administrativen und finanziellen Aufsichtsbereich» an.

Ziel der Vorlage ist eine Verdrängung des Nichtprofessionellen, vor allem der Schulkommissionen, die aus Personen unterschiedlicher Berufe und Herkunft zusammengesetzt sind und mit Laienwissen massgeblich für Strategie, Führung und Aufsicht je ihrer Schulen zuständig sind. Künftig sollen nach Steiners Vorstellung profimässige Verwaltungsexperten aus der Zentrale das übernehmen, was bisher milizmässig engagierte und honorierte Bürger besorgten. Terraingewinn für den Staat.

Danke für die Importe

Die jüngsten Aussenhandelszahlen zeigen, wie sich die Weltkonjunktur abschwächt, die Schweizer Exporte gaben im zweiten Quartal leicht nach, die Importe etwas deutlicher. Wie üblich konzentrierte sich Berichterstattung auf die Ausfuhren, die immer als zentrale Grösse gelten. «Exportrückgang» tönt wie ein Alarmruf. Das entspricht der in Öffentlichkeit und Politik verbreiteten Auffassung nach der Formel «Exporte gut, Importe schlecht».

Dabei besteht ein besonders wertvoller Teil des Aussenhandels – wie dies der Kieler Ökonom Stefan Kooths plastisch betont – gerade darin, dass man im Ausland begehrte Güter kaufen kann. Diese Importe erweitern die eigenen Konsum- und Produktionsmöglichkeiten enorm, man käme nie so weit, wenn man alles selber machen müsste. Die Exporte dienen dazu, diese begehrten Güter und Leistungen zu bezahlen. Kooths´ Formel: Exporte sind abgegebene Güter, Importe empfangene Güter.