Eigentlich sei er kein böser Mensch, versichern alle, die ihn kennen. Schon sehr lange, vielleicht allzu lange hat das private und politische Umfeld parteiübergreifend versucht, dem Sicherheitsdirektor des Kantons Zug irgendwie beizustehen. Doch Beat Villiger hat sich immer tiefer ins Elend geritten – finanziell, gesundheitlich und amourös.
Auch wenn die Lokalmedien den CVP/Mitte-Politiker in den Mantel des Erbarmens hüllen: Mittlerweile hat sich im Kleinkanton herumgesprochen, dass Regierungsrat Villiger seinem Amt seit längerem nicht mehr gewachsen ist. Das sorgt für Ärger, zumal die Zuger Steuerzahler noch bis Ende Jahr für Villigers stattliches Regierungsgehalt aufkommen müssen, während andere seine Arbeit erledigen. Zwar ist er bei den unlängst durchgeführten Erneuerungswahlen nicht mehr angetreten. Doch noch bis Ende Jahr weilt der Baarer formell im Amt und wird dafür vollumfänglich entschädigt.
Unpünktlich, apathisch
Vorläufigen Höhepunkt der Überforderung von Beat Villiger bildete die öffentliche Mitteilung des Regierungsrats von Anfang September, dieser müsse eine «ärztlich verordnete Auszeit einlegen». Die Amtsgeschäfte von Villigers Sicherheitsdirektion übernehme dessen Stellvertreter, Bildungsdirektor Stephan Schleiss (SVP). Weitere Auskünfte zu Villigers Gesundheitszustand verweigert der Kanton. Auch Schleiss will gegenüber der Weltwoche nicht Stellung nehmen.
Der Regierungsratslohn wird ihm bis zum Ende seiner Amtszeit gepfändet.
Sicher ist, dass Regierungsrat Villiger nach einem gravierenden Vorkommnis im Verkehrsbereich in eine private Klinik im Berner Oberland eingeliefert wurde, wo er seither ständig beobachtet wird und das Klinikgelände nicht verlässt. Selbst die Mutter seines minderjährigen Kindes und Mitbewohnerin der gemeinsamen Wohnung konnte ihn erst vor wenigen Tagen erreichen.
Beat Villiger wirkte als Notar und Gemeindeschreiber im aargauischen Freiamt und später in gleicher Funktion im zugerischen Baar. Danach machte er sich für einige Jahre mit einem eigenen Treuhandbüro selbständig. 2007 wurde der CVP-Kantonsrat und frühere Fraktionschef in den Regierungsrat gewählt, wo er seit mittlerweile knapp sechzehn Jahren der Sicherheitsdirektion vorsteht. Den Werten und Ansprüchen seiner Familienpartei wurde Villiger nicht gerecht. Seine Ex-Frau und die drei Kinder haben sich lange bemüht, ihm einigermassen Halt zu bieten, doch scheint das Verhältnis mittlerweile äusserst distanziert.
Die interessierte Öffentlichkeit und die Zuger Zeitung wussten längst, dass der Regierungsrat seit 2012 ein uneheliches Kind mit einer 33 Jahre jüngeren Zentralschweizerin hat. Er war mit dieser seit ihrem 18. Altersjahr bekannt. Die Existenz des unehelichen Kindes wurde 2018 kurz vor der dritten Wiederwahl allgemein bekannt. Nachdem Villiger die Wiederwahl als Drittplatzierter geschafft hatte, überlegte er sich länger, ob er das Amt überhaupt antreten solle.
Zuständig für den Strafvollzug
Seine Direktion funktioniert dank erfahrenen Amtsleitern und den Regierungskollegen.
Beat Villiger entschied sich zu einem Ja, wobei die ihm nahestehenden Beobachter dahinter auch finanzielle Gründe vermuteten. Doch es wurden seither alles andere als gute Jahre. Er musste zu Hause ausziehen und bezog zeitweise eine Kleinstwohnung, isolierte sich von seinem Umfeld, erschien unpünktlich zu Sitzungen und wirkte dort unbeteiligt, manchmal apathisch. Regelmässig liess er sich sogar an obligatorischen Regierungsterminen aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen, was die Regierung ebenso oft mit besten Genesungswünschen abnickte.
Beat Villiger, oberster Chef der zugerischen Polizei, des Militär- und Zivilschutzwesens, des Asylbereichs und des Strassenverkehrsamts, ist seit längerem schwer verschuldet. Er kann wohlmeinenden Freunden und Bekannten Millionensummen nicht zurückerstatten, was in seiner Funktion als Chef des kantonalen Justizvollzugs problematisch ist. Es stellt sich die Frage einer möglichen Erpressbarkeit. Der Versuch einer Sanierung durch eine Bank erwies sich als aussichtslos. In Zug fragt man sich, wie ein mit jährlich 294 000 Franken entschädigter langjähriger Berufspolitiker finanziell in eine derartige Schieflage geraten konnte.
Private Bauprojekte, das amouröse Doppelleben und die Beschaffung von Suchtmitteln haben Beat Villiger aus der Bahn geworfen. In der Kantonsverwaltung sprach sich rasch herum, dass der Regierungsrat eine Vorauszahlung seines 13. Monatsgehalts verlangt hat. Der Regierungsratslohn wird ihm gepfändet, und diese Pfändung ist unlängst bis zum Ende seiner Amtszeit verlängert worden. Trotz seinen Finanznöten und beruflichem Totalausfall mag Beat Villiger nicht vorzeitig zurücktreten. Seine Sicherheitsdirektion funktioniert einigermassen reibungslos – dank erfahrenen Amtsleitern, einer recht autonom funktionierenden Kantonspolizei und weil die Regierungskollegen für ihn wohl oder übel einspringen.
Petra Limacher*, die Mutter von Villigers zehnjährigem Kind, wohnt in der Innerschweiz. Sie gebar allein in den USA, kehrte aber nach einigen Jahren in ihre Heimat zurück. Auch sie sei nicht perfekt, bekräftigt sie. Im Frühling 2021 ist Villiger mit Limacher zusammengezogen. Sie hat ihrem zeitweiligen Lebenspartner energisch klargemacht, dass gewisse Suchtmittel keinesfalls in ihre Wohnung kommen dürfen.
200 Franken im Couvert
Es kam schliesslich zum Eklat, als sie belegen konnte, dass er eine Affäre mit ihrer langjährigen Freundin begonnen hatte. Die Mutter des gemeinsamen Kindes ist auch wütend, weil Villiger trotz erdrückender Beweislast konsequent alles abstreitet. Ihre Verzweiflung ist umso verständlicher, als Regierungsrat Villiger keine Miete mehr bezahlt und ihr aus der Klinik als monatliche Alimentenzahlung gerade einmal 200 Franken in einem Couvert zuschickte, begleitet von der Erklärung, am zehnten des Monats hätten sich nur noch 300 Franken auf seinem Konto befunden.
Die menschliche Tragik von Beat Villigers haltlosem Lebenswandel macht betroffen. Sosehr er Mitleid und Hilfe verdient, ist sein Verhalten und sein Zustand angesichts seiner öffentlichen Stellung als Zuger Regierungsrat nicht einfach Privatsache. Zumal dieser Kanton bei einem Angestellten wegen einer Lappalie rigoros mit der fristlosen Entlassung durchgriff – weil durch private Facebook-Einträge angeblich das Ansehen von Zug auf dem Spiel stehe («Regierungsrat Hostettler kennt kein Pardon», Weltwoche Nr. 41/22).
Wenn nichts geschieht, wird sich Beat Villigers Tragödie noch bis Ende Dezember dahinschleppen. Das wäre weder gut für den Kanton Zug noch für Villigers Kantonalpartei. Denn diese steht wegen dem Mitte-Präsidenten Gerhard Pfister schweizweit ohnehin unter erhöhter Beobachtung.
*Name geändert
Da ist man einfach nur noch baff. Danke Herr Mörgeli für diese Recherche
Das Zweitpeinlichste an dieser Geschichte ist, wieviel Hilfe dieser Mann von allen Seiten erhält und erhalten hat. Er ist das "Opfer". Was ist denn mit all den "hilfsbereiten" Leuten, die schamlos abgezockt und ausgebeutet wurden? Die können wohl selber sehen wo sie bleiben. Selber schuld, vermutlich.
Und trotzdem steht die FDP immer wieder an der Seite der Pfister-Partei und verhalf ihr erneut zu drei Sitzen in der Regierung und zu Kantonsräten in den Gemeinden (jede Gemeinde ist ein eigener Wahlkreis).
Und just am Erscheinungstag der Weltwoche tritt er per sofort zurück. Wenn das kein Zufall ist!
Eine klare mRNA-Impf Nebenwirkung. Profis informieren sich an der Börse. Autsch, es werden noch weitere PolitikerInnen ausfallen.
Liest sich wie ein Thriller. Der Stoff aus dem sich sonst Hollywood bedient. Herr Mörgeli ist wieder mal gut informiert und hat recherchiert. Das Regierungsratsgehalt von jährlich Fr. 294'000 ist gepfändet und somit geht wohl auch ein Teil davon an die Alimentenbevorschussung.
Bis 2016 war Gerhard Pfister Präsident der CVP des Kantons Zug. 2007 wurde Herr Villiger in den Regierungsrat gewählt. Die Rolle von Herrn Pfister würde mich interessieren.
Erstaunlich, wie alles funktioniert auch ohne Politiker
Seine finanzielle und seine familiäre Situation erachte ich als seine Privatsache, aber was hat ein Sicherheitsdirektor mit Beschaffung von Suchtmitteln zu tun?
RR Villiger ist ein Person die ein öffentliches Amt bekleidet und daher sind finanzielle und familiäre Angelegenheiten nicht nur Privatsache. Ein einfacher Sicherheitsbeamter der im unterstellt ist, muss regelmässig über seine strafrechtliche und finanzielle Situation Rechenschaft ablegen! Es ist meiner Meinung nach ein Gesamtversagen der ganzen Regierung! Hier hätte bereits viel früher eingriffen werden müssen. Es ist absolut fahrlässig und zeigt mir einmal mehr die Verluderung der Politik.
Ein uneheliches Kind ist Privatsache. Millionenschulden, Drogen, schwere Verkehrsdelikt sind keine Privatsachen mehr.
Richtig, vor allem wenn man noch Mitglied der Familien-Partei ist!
Bei solchen Parteimitgliedern wundert es mich nicht, dass die Partei sogar ihren Namen wechselte. Mit christlicher Gesinnung lässt sich dieses Verhalten jedenfalls nicht vereinbaren. Weg mit diesem Mann von diesem Posten, er birgt schlicht zuviel Risiko in sich. Der Mann scheint sehr krank zu sein.
Die Zuger CVP war einmal eine stolze, wertkonservative Partei. Die Windfahne Pfister hat alles heruntergewirtschaftet oder meinetwegen auch heruntergemerkelt.
So tragisch dieser Fall zu sein scheint, dass es so weit hat kommen können, passt es schon fast programmatisch zur inhalt- und rückgratlosen Mitte, im Speziellen zu deren Koriphäe NR Pfister: aussitzen, vernebeln, wegschauen, sich aus Affäe schleichen, usw.
Politik und öffentliche Verwaltung ist doch voll von unfähigen, dilettantischen, dem normalen Leben nicht gewachsenen Sozialhilfeempfänger. Einmal kurz einen Effort leisten, den Einstieg in die öffentlichen Institutionen finden und von da an gut abkassieren für rein gar nichts.
Da machen Sie es sich gar einfach! Haben Sie schon mal in einer öffentlichen Verwaltung gearbeitet? Kennen Sie die gesetzlichen Grundlagen, Fristen, Vorgaben, Prozesse? Oder ist es der Neid, der aus Ihnen spricht und der Sie heimlich davon träumen lässt? Kommen Sie bitte mit fundierter und belegter Kritik und nicht mit einem pauschalen Rundumschlag.
Sie sprechen dabei aber nicht etwa vom über 150 Mio. verschlingend erfolglosen INSIEME- & IT-Nachfolge-Projekt, Martin67? Oder der aktuell zusätzlichen Einstellung von 488 Mitarbeitenden etwa in Genf, obwohl deren Stadt bereits 16'000 vollzeitliche Funktionäre beschäftigt, anstatt dem gegenüber der Privatwirtschaft längst fälligen Aufholen der personal-sparenden Digitalisierung?... "Numä ned g'schprengt" ist - von löblichen Ausnahmen abgesehen - in der Beamtenwelt allzu lange kein Cliché mehr...
Und just am Erscheinungstag der Weltwoche tritt er per sofort zurück. Wenn das kein Zufall ist!
Da ist man einfach nur noch baff. Danke Herr Mörgeli für diese Recherche
was für eine story! danke.
Das Zweitpeinlichste an dieser Geschichte ist, wieviel Hilfe dieser Mann von allen Seiten erhält und erhalten hat. Er ist das "Opfer". Was ist denn mit all den "hilfsbereiten" Leuten, die schamlos abgezockt und ausgebeutet wurden? Die können wohl selber sehen wo sie bleiben. Selber schuld, vermutlich.
Und trotzdem steht die FDP immer wieder an der Seite der Pfister-Partei und verhalf ihr erneut zu drei Sitzen in der Regierung und zu Kantonsräten in den Gemeinden (jede Gemeinde ist ein eigener Wahlkreis).
Ja, Herr Christoph Mörgeli, da kann ich nur sagen, ja heb di fest. Sind Sie froh, sind Sie nicht mehr in der Regierung. Man kann sich nur noch schämen, wenn man solche Berichte zu lesen bekommt. Danke für den Bericht. Solches bekommt man in keiner anderern Zeitung als der WW inne.
Herr Mörgeli war nie in einer Regierung. Er gehörte dem Nationalrat an. Bezüglich seinem Bericht schliesse ich mich Ihrer Meinung an.
Ist doch logisch, wer sich mit seinesgleichen um gleichen Morast suhlt, kenn seine Fehler und die der anderen. Politik ist kein schmutziges Geschäft, es ist unvorstellbar schmutzig. Darum sind die sogenannten bürgerlichen Parteien FDP, SVP und weitere gegen die 13. AHV Rente weil sie viel Geld im Ausland sinn-und nutzlos vernichten wollen. Millionen für Kohäsionszahlungen an die EU, an die Frontex, Milliarden in die Entwicklungshilfe alles ohne Erfolg. Die Hilfswütigen profitieren für sich.
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Eine klare mRNA-Impf Nebenwirkung. Profis informieren sich an der Börse. Autsch, es werden noch weitere PolitikerInnen ausfallen.
Liest sich wie ein Thriller. Der Stoff aus dem sich sonst Hollywood bedient. Herr Mörgeli ist wieder mal gut informiert und hat recherchiert. Das Regierungsratsgehalt von jährlich Fr. 294'000 ist gepfändet und somit geht wohl auch ein Teil davon an die Alimentenbevorschussung. Bis 2016 war Gerhard Pfister Präsident der CVP des Kantons Zug. 2007 wurde Herr Villiger in den Regierungsrat gewählt. Die Rolle von Herrn Pfister würde mich interessieren.
Erstaunlich, wie alles funktioniert auch ohne Politiker