Dieses Drehbuch konnte sich kein Wahlkampfstratege ausdenken – zu viel Hollywood. Was für ein dramatischer Moment im Wahlkampf um das US-Präsidentenamt, was für Szenen, was für eine Reaktion von Donald Trump, dem die Kugel eines Attentäters durchs Ohr am Hirn vorbeizischte.

Ikonische Aufnahmen gingen schon kurz nach dem Mordversuch um die Welt. Trumps blutiges rechtes Ohr, Blutspuren im Gesicht, die Faust wie zum Sieg in die Luft gereckt – zum Sieg über den zu frühen Tod, zum wahrscheinlichen Sieg auch in diesem Rennen um den Posten des mächtigsten Politikers der Welt.

«Kämpft, kämpft», rief der Angeschossene, im Schock, aber auch wild entschlossen. Sein Selbstwertgefühl war schon bis anhin so gross wie sein Trump-Tower, aber ab jetzt wird er sich noch auserwählter, noch unverwundbarer fühlen.

Der Heldenstatus des Donald Trump steigt – und im Kontrast dazu schrumpft der alte, kranke Mann, der ihn herausfordert, dieser bemitleidenswerte Joe Biden, zum Schatten seiner Selbst. Es scheint, dass diesen Trump jetzt erst recht niemand mehr stoppen kann. Es sei denn, Hollywood greift wieder ein.