Der Korruptionsskandal in der EU erreicht KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen.

In einem Brief an sie verlangt die offizielle EU-BĂŒrgerbeauftragte Emily O’Reilly, die im Auftrag von Privatpersonen und Unternehmen MissstĂ€nden in der Union nachgeht, AufklĂ€rung ĂŒber FlĂŒge eines ranghohen Beamten, die Katar bezahlt hat.

Konkret geht es um Reisen des Leiters der Generaldirektion MobilitĂ€t und Verkehr, Henrik Hololei. Er ist der höchste Beamte unter der rumĂ€nischen EU-Transportkommissarin Adina Valean. Er ist mehrmals kostenlos in der Business-Klasse mit Qatar Airways geflogen und hat auch HotelĂŒbernachtungen nicht bezahlen mĂŒssen. Die FlĂŒge fanden statt, wĂ€hrend seine Abteilung ĂŒber ein Luftverkehrsabkommen zwischen der EU und Katar verhandelte.

O’Reilly meint, dass dies «berechtigte Fragen nach möglicher unzulĂ€ssiger Einflussnahme auf die Entscheidungsfindung der EU in diesem Bereich» aufwerfe.

Katar steht im Fokus des Korruptionsskandals im EU-Parlament. Dem Land wird vorgeworfen, Einfluss auf politische Entscheidungen genommen zu haben, was es bestreitet.

Mehrere Europa-Abgeordnete, darunter die inzwischen inhaftierte Vize-ParlamentsprÀsidentin Eva Kaili und ihr LebensgefÀhrte, werden in diesem Zusammenhang der Korruption und GeldwÀsche beschuldigt.

Es geht um mit Bargeld vollgestopfte Koffer und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Kailis LebensgefĂ€hrte, der ebenfalls fĂŒr die EU gearbeitet hat, trĂ€gt derzeit eine elektronische Fussfessel.

Die Kommentare, die sich von der Leyen jetzt anhören muss, sind bitter. O’Reilly schreibt, dass «ein Skandal wie dieser ein Geschenk an diejenigen ist, die die gesamte EU verunglimpfen möchten».

Der grĂŒne EU-Abgeordnete Daniel Freund spricht von einer «Kultur, in der niemals jemand zur Verantwortung gezogen» werde.

Und Cristian Terhes, als rumÀnischer EU-Abgeordneter mit dem Thema Bestechlichkeit vermutlich bestens vertraut, spricht von der «korruptesten EU-Kommission in der Geschichte der EuropÀischen Union».