Endlich ist bei euch der Groschen gefallen: Eine linke, antiautoritäre Zeitung, die sich der Regierungspropaganda verschreibt, landet in einer Aporie, einer gedanklichen Sackgasse! Einer eurer Redakteure schrieb zu den jüngsten Übergriffigkeiten der Ministerinnen Faeser und Paus: «Diese Woche häufen sich – mal wieder – die schlechten Nachrichten zu Grundrechten in der liberalen Demokratie, zur Presse- und Meinungsfreiheit.»

Tatsächlich: Ministerin Paus will «Verächtlichmachung des Staates auch unterhalb der Strafbarkeitsgrenze» verhindern, was Verfassungsrechtler wie Dietrich Murswiek oder Hans-Jürgen Papier als Bruch des Grundrechts auf freie Meinungsäusserung erkennen – und von diesem Recht lebt der Journalismus wie keine andere Branche. Wie dieses Duo, gemeinsam mit dem gefügigen Verfassungsschutzpräsidenten Thomas Haldenwang, derzeit unsere Rechtsordnung umzupflügen versucht, sollte nicht nur euch Tazlern, sondern der ganzen Branche eiskalte Schauer den Rücken runterjagen.

Naturgemäss, ihr linken Gauner, haben eure Bedenken einen erheblichen Drall. Ihr erkennt zwar autoritäre Schlagseiten bei euch selbst, wenn ihr in der Vergangenheit gefordert habt, man müsse «alle rechtsstaatlichen Möglichkeiten ausschöpfen», um politisch Unliebsamen «Angst» zu machen. Gleichzeitig habt ihr Angst davor, dass es damit gelingen könnte, «den beliebten Demospruch ‹Deutschland verrecke› strafrechtlich zu verfolgen».

Tja, so ist das, die Dialektik mag unbequem sein, aber, wie Botho Strauss schon vor Jahrzehnten feststellte, «es denkt sich automatisch klüger mit ihr». Aber den lest ihr ja nicht. Im Übrigen könnt ihr darauf vertrauen, dass die rot-grüne Regierung euren «beliebten Demospruch» auch ohne eure Mithilfe umsetzt. Um dafür einen anderen Intellektuellen zu zitieren: «Deutschland schafft sich ab». Der allerdings heisst Thilo Sarrazin, und der taucht in euren Spalten nur auf, wenn es darum geht, ihn reichlich autoritär in den Boden zu stampfen. Bessert euch!

 

Mit freundlichen Grüssen
Matthias Matussek