Die Auswirkungen des amerikanischen Zollhammers auf die Finanzmärkte fielen heftiger als von vielen erwartet aus.
An den meisten Aktienmärkten kam es zu Kurskorrekturen von 2 bis über 5 Prozent, womit sich die Verluste vor allem in den USA seit Ende 2024 je nach Index auf 5 bis 12 Prozent summieren.
Noch deutlicher kam Japan mit einem Minus von 15 Prozent seit Ende 2024 unter die Räder. Die USA sind ein wichtiger Absatzmarkt für die japanischen Autobauer.
In Europa verblieben die meisten Aktienmärkte mit Ausnahme von Dänemark (−20 Prozent) trotz der Verluste seit Ende 2024 noch im Plus.
Wegen der negativen Auswirkungen auf die Realwirtschaft korrigierten auch einige Rohstoffpreise substanziell. Insbesondere liegt der Erdölpreis nun rund 7 Prozent unter dem Stand von Ende 2024.
Mit 66 Dollar pro Fass Öl liegen die Preise wieder auf dem Niveau von vor vier Jahren und um mehr als 40 Prozent unter den Höchstständen des Jahres 2022. Auch andere Energiepreise wie Heizöl in den USA (−7 Prozent) oder Gas in Europa (−23 Prozent) und Kohle (−21 Prozent) haben sich deutlich verbilligt.
Sinkende Preise über die gesamte Palette von Metallen und Erzen signalisieren eine bevorstehende Industrieflaute. Die Edelmetalle Gold und Silber bröckelten ebenfalls leicht ab, liegen aber seit Jahresbeginn mit 18 und 9 Prozent immer noch deutlich im Plus.
Sogar vereinzelte Agrarpreise wurden in den Abwärtssog gerissen, wobei die Notierungen für Bauholz und Kartoffeln förmlich einbrachen. Allerdings liegen die Commodity-Preise trotz der Korrektur um rund 4 Prozent immer noch mit 3 bis 7 Prozent im Plus. Ein Indikator für einen bevorstehenden scharfen Rückgang des Welthandels sind die Container-Frachtraten, die seit Jahresbeginn um 44 Prozent eingebrochen sind.
Innert Wochenfrist gaben die Kapitalmarktzinsen mit Ausnahme von Russland und Südafrika um 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte nach. In den meisten angelsächsischen Ländern liegen sie nun unter dem Jahresendstand 2024, vorab in den USA, wo die Langfristzinsen (Zehn-Jahre-Treasuries) erstmals seit September 2024 wieder unter die 4-Prozent-Marke fielen. In Europa ist der jüngste Zinsschub noch nicht vollständig abgeklungen. In den meisten europäischen Ländern liegen die Zinsen noch 0,2 PP höher als Ende 2024.
Einen selten hohen Tagesverlust von 3 Prozent verzeichnete der US-Dollar gegenüber dem Schweizer Franken. Auch der Euro bröckelte um mehr als 1 Prozent ab. Der Franken wird wieder einmal als sicherer Hafen in Krisenzeiten gesucht. Dabei wird die Schweiz ebenfalls von den Strafzöllen betroffen und sogar zu einem Satz, der mit 31 Prozent noch über den befürchteten 25 Prozent liegt.
Das Üble an diesen Preiskorrekturen ist, dass ein Ende noch nicht abzusehen ist. Wer noch rasch aus den Märkten fliehen will, riskiert, eine Erholung zu verpassen, falls die Strafzölle bei gröberen wirtschaftlichen Folgen für die USA früher oder später doch wieder aufgehoben oder zumindest gemildert werden.
Drei seiner im Wahlkampf angekündigten Ziele hat Trump mit den Zollerhöhungen wohl als «Nebenwirkung» erreicht. Die Energiepreise sind deutlich gesunken, der Dollar schwächt sich ab, und die Zinsen sinken.
Aber all diese günstigen Effekte werden wohl die negativen Auswirkungen der Zollerhöhungen auf die US- und die Weltwirtschaft nicht kompensieren können. Für die US-Notenbank wird die Lage ungemütlich, denn wenn die Inflation wie befürchtet um 1 bis 1,5 Prozent ansteigt und das Wirtschaftswachstum um 1 Prozent geringer ausfällt, kommt es zu einer Stagflation, die letztlich den Wohlstand drückt.
In drei Jahren wird der US-Dollar bei 1 Franken liegen. Denn die Strategie von Trump wird sich mittelfristig auszahlen. Das Budget-Defizit wird verschwinden. Die USA auf vielen Gebieten autark werden. Und damit die Möglichkeit erhalten, die Weltmacht Nummer eins für die nächsten fünfzig Jahre zu bleiben.
Eine richtig hässliche Stagflation wie damals in den 70er Jahren nach der Oelkrise wäre den Amis eigentlich von Herzen zu gönnen. Dann bekämen sie die Quittung, dass sie dieses vermeintlich stabile Genie mit seinen ökonomischen Beraterfreaks gewählt haben. Vielleicht schafft es Trump sogar das Ende des amerikanischen Imperiums einzuleiten mit dem Ende des Dollars als Weltleitwährung. Vor 6 Monaten hätte ich das noch nicht für möglich gehalten, aber mit Trump könnte das durchaus passieren.
Marshallplan auf Trumpistisch im Rückwärtsgang.