Antiamerikanismus geht in Deutschland fast immer. Der hässliche Ami ist eine feste Grösse im Bewusstsein des kultivierten Germanen.

Heutzutage repräsentiert in Gestalt von Donald Trump und seiner Entourage. Entsprechend vergeht kein Tag, an dem sich deutsche Medien und deutsche Politiker nicht über die neue amerikanische Regierung echauffieren.

Zumeist werden dabei billigste antiamerikanische Klischees bemüht. Die Regierung Trump sei, so der Vorwurf, imperialistisch, grössenwahnsinnig und vulgär. Vor allem aber diskriminierend, selbstgerecht und bigott, zudem radikalkapitalistisch, plump und ungebildet.

Interessanterweise funktionieren diese Klischees von rechts wie von links. Denn lange Zeit war der Antiamerikanismus ein Privileg der Konservativen, die in den USA den Hort einer primitiven Moderne sahen. Später retteten sich die Rechten unter den antikommunistischen Schutzschirm der USA, und der Antiamerikanismus wurde zu einem Markenzeichen der Linken.

Entsprechend flexibel sind auch die Gründe für antiamerikanische Rhetorik. Mal ist der Ami böse, weil er Imperialist ist und überallhin Waffen liefert. Dann wiederum ist es nicht gut, dass er keine oder zu wenig Waffen liefert. Mal ist er ein Kriegstreiber, dann wieder macht er sich schuldig, weil er kein Weltpolizist sein will. Egal, was er macht: Der Ami macht es falsch.

Allerdings gab es auch kurze Phasen in der deutschen Geschichte, in der Antiamerikanismus verpönt war: Kurz nach dem Krieg und unter Kennedy, während der Amtszeit Obamas und dann in den Jahren unter Joe Biden. Denn schliesslich gibt es auch den guten Ami, der Kaugummis verteilt und Schokolade aus Flugzeugen abwirft.

Der deutsche Antiamerikanismus hat im Grunde nichts mit Amerika und den Amerikanern zu tun. Umso mehr aber mit dem deutschen Selbstbild. Denn der Deutsche weiss sich moralisch überlegen. Insbesondere gegenüber Uncle Sam. Nur wenn dieser redet wie ein deutscher Studienrat, zeigt sich der Deutsche gnädig. Trump allerdings wird ihm den Gefallen nicht tun.