So sieht ein echter Handelskrieg aus: Die amerikanischen Zölle provozieren Gegenmassnahmen.
Chinas Regierung schlägt trotz Feiertag im Reich der Mitte als Erstes zurück und nimmt 34 Prozent auf alles, was aus den USA kommt.
Kanadas Ministerpräsident Mark Carney kündigt Gegenzölle dort an, wo sie «der US-Wirtschaft maximal schaden».
In Brüssel tagt eine «Trump-Task-Force» und plant klassische Gegenzölle auf US-Waren wie Harley-Davidson-Motorräder, Whiskey, Mähdrescher, Caterpillar-Baumaschinen und Koffer von Samsonite. Die Zölle sollen ab der übernächsten Woche greifen. Sollte Washington nicht einlenken, folgt eine schärfere Reaktion, die dann Dienstleistungen der US-Tech-Konzerne treffen. Ein Brüsseler Beamter spricht schon mal von der EU-«Bazooka», die jetzt geladen werde.
Vollends in Kriegsrhetorik verfällt Deutschlands noch amtierender Wirtschaftsminister Robert Habeck: Er vergleicht den Tag der Verkündung der US-Zölle mit Tag eins des Krieges von Russland gegen die Ukraine. Aus wirtschaftlicher Perspektive sei dies «durchaus vergleichbar», auch wenn «Menschen […] hoffentlich nicht sterben».
Was auffällt: Die Betroffenen, also die Unternehmen, ihre Mitarbeiter und ihre Kunden, klingen deutlich gelassener. «Es bringt nichts, in Panik zu verfallen», sagt der Manager eines weltweiten Logistikers, der VW-Teile durch die Welt schippert. Viele haben sich vorbereitet, weil sie ahnten, was passiert, wenn Trump macht, was er schon länger angekündigt und bereits in seiner ersten Amtszeit vollzogen hatte: Konsumgüterhersteller wie der Persil- und Pril-Produzent Henkel, der Fruchtverarbeiter Zentis, Brezelbäcker Ditsch und Senf- und Saucenproduzent Develey haben längst eigene Produktionen in den USA aufgebaut.
Der Gummibärchen-Konzern Haribo hat im Sommer 2023 in Wisconsin sein erstes US-Werk eröffnet. Andere wie der DAX-Konzern Beiersdorf (Nivea) haben ihre US-Lager in weiser Voraussicht bis zum Rand gefüllt und können erst mal von da aus zollfrei liefern, bis sich die Lage wieder entspannt.
Entspannt? Ja, das könnte passieren.
Es gibt sozusagen einen Kronzeugen dafür, dass jetzt Verhandlungen möglich sind. Er heisst Eric Trump und ist mit 41 Jahren der jüngste Spross des Präsidenten aus erster Ehe. Auf X schreibt er, was beim Papa gerade abläuft: «Ich habe diesen Film mein ganzes Leben lang gesehen. Ich würde jetzt nicht das letzte Land sein wollen, das einen Deal mit Donald Trump abschliesst.»
Dafür allerdings braucht es das, was zumindest die meisten Politiker derzeit nicht haben: einen kühlen Kopf.
Es ist unglaublich, in welche Hysterie die Europäer bei jedem Wort von Trump verfallen. Die haben völlig verlernt, Verhandlungen zu führen und fallen immer gleich in Kriegs-Rhetorik. Erbärmlich!
Unternehmer denken eben nicht nur politisch, sondern sind in der Wirklichkeit verhaftet. Und sie sehen, dass es keinen Zweifel daran geben kann, dass, was langfristig gut für Unternehmen und die Bürger ist, schlecht ist für die Investoren und Banken und umgekehrt. Unternehmer suchen nie nur billige Lösungen (wie Bailouts), sondern gangbare Wege. Sie sind Praktiker des Möglichen und nicht Theoretiker der Macht. Deshalb zurück zum Milizsystem und Schluss mit Berufspolitik. Das wäre grossartig.
Europa wird es entweder verstehen oder Untergehen.