Da kommen immer wieder Häuser in die Schlagzeilen, die für Rekordsummen verkauft oder gebaut werden. Jüngst rollte die Meldung über den Atlantik, dass in Los Angeles «The One», «eine der teuersten Villen der USA», bald für 295 Millionen Dollar auf den Markt komme. In der alten Welt beeindrucken solche Summen vielleicht Neureiche. Hier gelten andere Massstäbe. Falls die britische Monarchie irgendwann mal in die Lage kommen würde, ihren Hauptsitz veräussern zu müssen, spülte es gut fünf Milliarden Pfund in die königliche Kasse. Auf so viel wird der Buckingham Palace, eines der wertvollsten Privathäuser der Welt, geschätzt.

Gleich hinter dem Istituto Svizzero

Ganz so hoch sind die Erwartungen bei der Versteigerung des Casino dell’Aurora, auch Villa Aurora genannt, am nächsten Dienstag in Rom nicht. Immerhin beträgt das Eröffnungsangebot aber 471 Millionen Euro. Das Haus wäre die teuerste je verkaufte Villa. Sie befindet sich in der Nähe der Spanischen Treppe, gleich hinter dem Istituto Svizzero di Roma. Kardinal Francesco Maria Bourbon del Monte liess sie im 16. Jahrhundert bauen. 1621 ging sie an die Adelsfamilie Ludovisi über, der das Anwesen noch heute gehört. Als der Eigentümer, Prinz Niccolò Boncompagni Ludovisi, 2018 starb, gab es einen Erbstreit, deshalb kommt es jetzt zur Auktion.

Was macht den enormen Wert des Hauses aus? Im Innern der Villa Aurora befindet sich neben einigen Fresken berühmter Künstler die einzige Deckenmalerei von Michelangelo Caravaggio: «Jupiter, Neptun und Pluto» aus einem Jahr um 1597. Kenner werden jetzt sagen, Werke des frühbarocken italienischen Malers seien bisher nicht für astronomischen Summen versteigert worden. Zudem seien die Marktaussichten von Caravaggios Göttern beschränkt. Das Deckenbild könne ja nicht einzeln, sondern nur inklusive Villa verkauft werden. Dies macht eine Schätzung wiederum äusserst schwierig.

In der Fachwelt kursiert eine Vermutung: Die Bewertung sei nach der Expertise von Geschichtsprofessor Alessandro Zuccari, der allein schon das Gemälde auf 310 Millionen Euro schätzte, so hoch ausgefallen, um zu verhindern, dass die Aurora in die Hände eines womöglich unachtsamen Käufers falle. Es solle sich besser der Staat um den sorgfältigen Erhalt kümmern. Dieser kann nämlich mitbieten.