Cantine Briziarelli: Sua Signoria. Umbria Bianco IGT (Trebbiano) 2021. 14 %. Caratello, St. Gallen. Fr. 18.20. www.caratello.ch

Kann aus Trebbiano etwas Gutes werden? Betrachten wir die Geschichte der meistangebauten Sorte Italiens mit ihrer Vielfalt von Namen und Varianten (genetisch gehören zur Familie neben zahlreichen mehr oder weniger legitimen Kindern bei näherer Prüfung der DNA auch einige Produkte noch unerforschter Seitensprünge), bedenken wir weiter, in welcher enormen Vielzahl von Weinen die enorm wüchsige, ertragreiche Sorte als Verschnittpartner und Säurelieferant eine wichtige Rolle spielt, auch in Frankreich, wo sie als Ugni blanc seit dem 14. Jahrhundert zur meistangebauten Weissweinsorte avancierte (auch weil sie als Grundwein zur Herstellung von Weinbränden begehrt ist), sind wir geneigt, den einleitenden Sätzen im entsprechenden Artikel des «Oxford Weinlexikons» zu folgen: «Kommt Trebbiano im Namen eines Weins vor, dann bedeutet dies fast stets ein leichtes, frisches, aber ausdrucksschwaches Gewächs.» Geschweige denn, mögen wir schliessen, wenn die Sorte auf einer Etikette als Solist auftritt. Trebbiano giallo, Trebbiano Modenese, Trebbiano Spoletino, Trebbiano di Soave (in Wahrheit ein Verdicchio bianco) und der vielleicht berühmteste, etwa der superlativische Trebbiano d’Abruzzo von Valentini (eigentlich ein Bombino bianco), der Trebbiano Toscano, die Traube, die zwar in der Toscana an Bedeutung verloren hat, weltweit aber vermutlich noch immer mehr Wein produziert als jede andere: Da blicken kaum mehr die Profis des über 1200-seitigen Kompendiums «Wine Grapes» durch, geschweige denn der interessierte Amateur, der ein Glas Trebbiano der umbrischen Cantine Briziarelli in die Hand bekommt – einen Wein aus eben dem globalen Meer des Trebbiano Toscano.

Beim ersten Schnüffeln erlebt der allerdings sein hellgelbes Wunder (mit leicht grünlichen Reflexen: galbanus, die Farbe des Priapos). Und er muss alles vergessen, was er soeben gelesen hat. Ein Zauber von Wohlgerüchen trägt ihn fort (Ginster, Weissdorn und Zitrusblüten), gelbe Früchte, auch Aromen von Heu, Thymian und Safran, am Gaumen feine Noten von tropischen Extravaganzen (Mango, Ananas), das Ganze von einer explosiven Frische.

Die Familie Briziarelli, ursprünglich Tonbrenner und Ziegelfabrikanten, entwickelte seit dem Anfang des letzten Jahrhunderts nach und nach eine bedeutende Landwirtschaft auf heute rund fünfzig Hektaren: Oliven, knapp zwanzig Hektar Reben, hauptsächlich in der Gegend zwischen den Gemeinden Bevagna und Montefalco. Mit mehreren substanziellen Rotweinen (z. T. aus der autochthonen Sorte Sagrantino), aber eben auch mit diesem feinziselierten Trebbiano tragen sie dazu bei, den Ruf Umbriens als Provenienz anspruchsvoller Weine zu befördern.