Wie ein gottähnliches Wesen werden Sie nach Ihrem Rücktritt gefeiert. Bester Botschafter unseres Landes werden Sie genannt, und Sie werden uns noch lange in Hochglanzanzeigen für Kaffeemaschinen, Luxusuhren, Banken und schnelle Autos erhalten bleiben.

Ich habe mich gefragt, warum auch Menschen wie ich, die mit Tennis nichts am Hut haben, eine gewisse Bewunderung für Ihre Person aufbringen. Ich glaube, es ist dasselbe, das mir so viel Sympathien für Königin Elizabeth II abverlangt, obwohl ich die Monarchie für einen überflüssigen historischen Blinddarmfortsatz halte.

Es ist nicht das Tennis, es ist nicht die Monarchie, es sind die sogenannten Sekundärtugenden, die Sie und die Königin so gut verkörpern: Fleiss, Treue, Gehorsam, Disziplin, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ordnungsliebe, Sauberkeit und vor allem Höflichkeit.

Weil sich diese bürgerlichen Tugenden langsam verlieren und wir oft das Gefühl haben, in unseren Städten mehrheitlich von unhöflichen, unzuverlässigen, treulosen Menschen umgeben zu sein, scheinen wir eine starke Sehnsucht nach diesen Tugenden zu verspüren, die zu Unrecht «sekundär» genannt werden, in politischen Debatten sogar diskreditiert wurden, wie einst durch Oskar Lafontaine, als er meinte: «Mit Sekundärtugenden kann man auch ein KZ betreiben.»

Elizabeth II hat vorgemacht, dass man mit Pflichtbewusstsein, Disziplin und Höflichkeit sehr wohl siebzig Jahre lang ein Königreich erfolgreich führen kann. Und Sie sind dank Ihrer persönlichen Haltung weit über die Tenniswelt hinaus beliebt.

Es ist gut, dass es Vorbilder wie Sie und die Königin gibt, die vor allem der Jugend vormachen, dass es letztlich darauf ankommt, nicht nur seinen Job sehr gut zu erledigen, sondern obendrein ein netter Mensch zu sein.

Sie haben es selbst schön gesagt: «Es ist nett, wichtig zu sein, aber wichtiger, nett zu sein.» Danke!

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler