Neulich stiess ich auf eine faszinierende Schlagzeile: «Darum haben es Milliardärinnen schwerer als Milliardäre» titelte die Süddeutsche. Ich gebe zu, bis zum Satz «Selbst Milliardärinnen werden benachteiligt, ihnen geht es schlechter als den Männern mit sehr, sehr viel Geld», habe ich durchgehalten – und dann aufgehört zu lesen. Pablo, der Hund, verlangte nach einem dieser stinkenden Kausticks. Kennen Sie die? Sie verwandeln die Wohnung übergangslos in eine alte Fischfabrik, und schweineteuer sind die Dinger auch noch. Aber wo war ich? Genau, bei den Milliardärinnen, das trifft sich ja gut – und ich fühle mit ihnen, ganz, ganz ehrlich. Es muss das Erniedrigendste sein, ein Vermögen in der Grössenordnung eines Kleinstaates zu besitzen und trotzdem als Opfer zu gelten. Darum: Das heutige Thema hat Auswirkungen auf die Anordnung der Sterne, schenken wir ihm also die ihm angemessene Beachtung.

Schätzungsweise ist der Süddeutsche-Artikel aufgebaut auf dem Resultat breitangelegter Studien über die Diskriminierung all dessen, was weiblichen Ursprungs ist (also alles). Es bringt mein Weltbild zum Wackeln, dass mittlerweile selbst auf dem Privilegierten-Olymp geschlechtertechnische Benachteiligung lauert. Das hatte ich nicht auf dem Schirm – manches liegt eben auch ausserhalb der Kontrolle der Superreichen. Für diesen journalistischen Plot-Twist sollte es Kreativpunkte geben! Man könnte es nicht besser erfinden.

Gleichstellung beginnt bei der Birkin Bag, das können Sie mir glauben.

Aber genug der Ironie, bei Benachteiligung ist Ernsthaftigkeit geboten. Natürlich gibt es einige sinnvolle Massnahmen, um diese Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen. Ein Milliardärinnen-Solidaritätsfonds wäre ein guter Anfang, um den Damen durch die schwersten Momente des Wohlstands zu helfen. Ebenso eine Milliardärinnen-Quote, die garantiert, dass diese Frauen in allen relevanten Bereichen ausgewogen vertreten sind – sei es bei der Aufteilung von Rohstoffmonopolen oder beim Kauf von Loire-Schlössern. Eine Luxus-Gender-Preisregelung könnte Abhilfe schaffen: Sonderrabatte auf Designertaschen, Kunst und Superjachten nur für weibliche Milliardäre – Gleichstellung beginnt bei der Birkin Bag, das können Sie mir glauben. Weiter, Steuererleichterungen für jene Milliardärinnen, die ihre Milliarden tatsächlich selbst verdienen mussten (wer je einen Trust-Fonds verwaltet oder eine eigene Kosmetiklinie gelauncht hat, weiss, wie stressig das sein kann).

 

Wie wäre es mit einem «Internationalen Welt-Milliardärinnen-Tag», an dem wir alle kollektiv innehalten, im Wir-Gefühl vereint, um ihr Geld gebührend zu feiern? Einem Tag voller Champagner, mit Diamantenstaub veredelten «The Cream»-Gesichtsbehandlungen und steuerlich absetzbaren Empowerment-Brunches? Oder vielleicht einem «Milliardärinnen-Marsch», um schwesternhaft für bessere Bedingungen zu protestieren? Besonders wichtig wären «Milliardärinnen only»-Clubs, in denen sie sich fernab der Realität über ihre Herausforderungen in einem geschützten Raum austauschen können – zum Beispiel darüber, ob der sechste Wohnsitz wirklich notwendig ist.

Natürlich muss auch das Milliardären-Patriarchat gestürzt werden, damit das Milliardärinnen-Matriarchat den Grossteil der Jets und Privatinseln besitzt. Und als letzte Massnahme: diamantene Pussyhats für alle Milliardärinnen als symbolisches Zeichen ihres Kampfes – und als Prävention gegen weitere Schlagzeilen dieser Art. Denn der feministischen Journaille, deren Herzensangelegenheit die grosse Frauenunterdrückungsgeschichte ist, sollte nicht noch mehr zugesetzt werden.

 

Immerhin gibt es einen Hoffnungsschimmer für die Milliardärinnen: In Genf dürfen sie schon zu einem reduzierten Preis in die Badi! Sparen lernt man eben doch von den Reichen (Frauen)! Laut einem Parlamentsbeschluss von 2022 sollen Frauen einen Rabatt von 20 Prozent für Kultur-, Sport- und Freizeiteinrichtungen erhalten – keine Ahnung, ob die Massnahme tatsächlich Gesetz wurde, aber glücklicherweise könnten dann auch unterprivilegierte Milliardärinnen davon profitieren. Den überprivilegierten Bauarbeiter wird’s sicher freuen, während er sich in seiner Pause in der sengenden Sonne den Schweiss von der Stirn wischt – schliesslich lebt er in einer Gesellschaft, die sich mit Hingabe für mehr Gerechtigkeit einsetzt.