Jeff Bezos ist der Mann, der alles kann. Das Genie, das Amazon erfand. Der Visionär, der mit seinem Konzern jährlich milliardenschwere Gewinne einfährt und einfach mal so nebenbei die Washington Post kaufte. Das Traditionsblatt hat er, wie könnte es auch anders sein, zurück in die schwarzen Zahlen geführt. Und das, obwohl er nicht mal vorhatte, eine Zeitung zu kaufen. Typisch Bezos. Doch eine Sache gibt es, die verbesserungswürdig ist: seine Kleidung!

«Wir hatten letzte Nacht so viel Spass beim Feiern auf einer verrückten Disco-Party, aber das neue Jahr ist auch eine grossartige Zeit, um sich auf seine persönliche Entwicklung zu fokussieren. Erneuerung. Wiedergeburt», schreibt Jeff Bezos unter seinen Neujahrs-Post auf Instagram. Ich möchte ihm beim Anblick der Fotos am liebsten zurufen: «Ja! Bitte erneuere dich stylingtechnisch komplett und sofort.»

Herzchen-Sonnenbrille, weisse Hose

Denn der zweitreichste Mann der Welt trägt auf den Silvesterfotos eine enge beige Jeans, die rein gar nichts für ihn tut, ein wild gemustertes, halb aufgeknöpftes Hemd und – die ultimative Krönung: eine Herzchen-Sonnenbrille. An ihn schmiegt sich im glitzernden Disco-Outfit seine fast sechs Jahre jüngere Freundin, die TV-Journalistin Lauren Sánchez, für die er sich 2019 nach mehr als zweieinhalb Jahrzehnten von seiner Ehefrau MacKenzie Scott trennte. Das Posting geht viral.

Twitter-User kommentieren: «Stell dir vor, du könntest dir alles auf der Welt kaufen, und dann ziehst du dich so an.» Ein anderer frotzelt, dass Bezos aussehe wie jemand, dem «fünf Edekas im Ruhrpott und ein Imbiss auf Malle gehören». Mein persönlicher Favorit ist der User, der von einer «Prinz-Marcus-Transformation» spricht, dem stets glitzernden und funkelnden und übergelierten Proll aus dem Reality-TV.

Die GQ sieht das anders. Das Männermodemagazin schreibt über Bezos’ Silvester-Outfit: «Mit diesem Piece liegt der Milliardär gerade total im Trend.» Die Lobeshymne geht weiter: «Jeff Bezos überraschte in einer engen weissen Hose, einem gemusterten Hemd aus den 70er-Jahren und (warum nicht?) einer Sonnenbrille in Form eines Herzens. Wie GQ.com berichtete, trug der Milliardär ein tailliertes, bedrucktes Seidenhemd der Pariser Marke Casablanca und eine tief sitzende weisse Jeans von Brunello Cucinelli.» Das bedruckte Seidenhemd gibt es zurzeit im Sale – von 1400 Euro auf 900 Euro reduziert.

Na bravo, Bezos’ Stil entspricht dem Zeitgeist, und sein mieses Silvester-Outfit war auch noch teuer. Schlimmer geht eben immer. Immerhin hat er mit seinem Jahreswechsel-Look viele Menschen zum Lachen gebracht.

Ich frage mich schon seit längerem: Ist es nicht dramatisch, wie sehr der Zeitgeist klassische Kleidung getötet hat? Gut, noch dramatischer ist es, wenn alternde Männer aufgrund ihrer jüngeren Freundinnen einen auf exorbitant witzig und jugendlich machen. Das ist selten eine gute Idee, wie das Beispiel Bezos zeigt. Einem milliardenschweren Unternehmer wie Bezos kann es selbstverständlich völlig egal sein, was die Welt von ihm denkt. Aber wozu alles Geld der Welt besitzen, wenn man nicht mal seine Garderobe auf Vordermann bringt?

Doch nun zum Wesentlichen: Wie soll sich ein milliardenschweres Genie kleiden? Mit Stil! Mit der richtigen Kleidung, die modern, aber nicht modisch ist, könnte Bezos attraktiver, frischer, jünger wirken. Als Stilvorbild empfehle ich James Bond. Den Klassiker unter den männlichen Filmfiguren. Eine Legende, genau wie Bezos. Bond ist der perfekte Mann, weil sein Stil modisch nie dem Zeitgeist entspricht.

Und das sei an dieser Stelle verraten: Frau steht nicht auf vermeintlich modische Sperenzchen, sondern auf Klasse. Es ist sexy, wenn Mann nicht im Trend liegen will, sondern Klasse ausstrahlt, diese gewisse Macher-Mentalität. Fernab jeglicher bunten Sonnenbrillen in Herzchenform.

Tom Ford für den perfekten Look?

Männlichkeit ist auch noch im Jahr 2022 en vogue. Smoking, Anzug, hellblaue Badehose, weisses Hemd – fertig ist der Bond-Stil, ein guter Schutz vor modischen Verwirrungen wie beispielsweise Bezos’ Hemd aus den siebziger Jahren, das schnellstmöglich zurück in die Siebziger will und auch gehört.

Falls den Tech-Milliardär dieser Kleiderkompass langweilen sollte, kann er sich an Daniel Craig als Bond orientieren. Der auch mal im T-Shirt oder dunkelblauen Pullover die Bösewichte dieser Welt jagte.

Gut, wir sprechen hier von Jeff Bezos, wäre er eine copycat, wäre er heute nicht milliardenschwer. Dementsprechend sollte er handkehrum Bond-Designer Tom Ford engagieren. Der ehemalige Gucci-Modeschöpfer könnte für den Ausnahmeunternehmer den perfekten Look kreieren und dem Kleiderkisten-Look ein Ende bereiten. Denn auch für den Amazon-Gründer gilt: Kleider machen Leute!

Nena Schink, 29, ist Bild-Journalistin, Moderatorin und Bestsellerautorin.