US-Parlamentarier sind überzeugt, dass die Schweiz zu den ganz üblen Sanktionsbrechern gehört, zugunsten Russlands. Nicht nur die Banken, sondern auch Rohstoffhändler. Laut Agenturberichten wollte am Montag das US-Finanzministerium beim Verband des Rohstoffhandels in Genf vorstellig werden. Verdacht: das Umgehen von Sanktionen im Ölgeschäft.

Aufschwung durch Ukraine-Krise

Vielleicht wäre es aber keine schlechte Idee, wenn sich die amerikanischen Fahnder nicht in Genf, sondern in Dubai umsehen würden. Denn die Glitzerstadt hat sich zu einer wichtigen Drehscheibe für den russischen Ölhandel entwickelt und hat Genf als Hauptstandort für Händler abgelöst, die russisches Öl an Verbraucher in aller Welt verkaufen.

«Seit die Schweiz nach dem Einmarsch in die Ukraine dem Embargo gegen Moskau beigetreten ist, hat sich ein erheblicher Teil des Handels nach Dubai und in andere Städte der Vereinigten Arabischen Emirate verlagert», wissen Ölhändler. «Wenn Sie ein Ölhändler sind, sollten Sie hierherkommen», sagt Matt Stanley, ein ehemaliger Händler und Branchenveteran mit zwanzigjähriger Erfahrung. Er bezeichnet Dubai als «das neue Genf». Die Ukraine-Krise habe den Aufschwung beschleunigt, da die Vereinigten Arabischen Emirate russische Firmen aufnehmen, die den Boom auslösen.

Dass die Schweiz Geschäfte an Dubai verliert, hat zwei Gründe. Erstens ist der Handel mit russischem Öl aus Dubai nicht illegal. Die westlichen Sanktionen verbieten lediglich die Einfuhr in die EU, das Vereinigte Königreich und andere Länder, die die Regeln der G-7 wie die Schweiz durchsetzen. Im Rahmen der Beschränkungen können westliche Unternehmen auch weiterhin russisches Öl in andere Teile der Welt verkaufen, wenn dieses Öl unter einem bestimmten Preis gehandelt wird.

Und zweitens hält sich Dubai nicht an die US-Regel, für russisches Öl die Preisobergrenze zu respektieren. Das hat zu einer massiven Verlagerung des Ölhandels aus ehemaligen europäischen Zentren wie Genf in Städte wie Dubai geführt.