Die Sicherheitspanne an der Spitze des US-Verteidigungsministeriums und der Armee – aus Versehen wurde ein Journalist in einen Chat eingeladen – wird von Demokraten und Trump-Gegnern als «ungeheuerlichste Fehlleistung» gegeisselt.

Ja, es ist eine peinliche Panne. Und solche Pannen könnten gefährlich ausgehen. Darüber müssen wir nicht diskutieren.

Aber fast noch mehr diskutiert die Welt über gewisse Äusserungen im Chat, die angeblich Verbündete verächtlich machen, insbesondere die Europäer.

Die Luftschläge gegen die Huthi im Jemen, die den internationalen Schiffsverkehr terrorisieren, nützten mehr den Europäern als den Amerikanern, da ein viel grösserer Anteil des europäischen Handels durch den Suezkanal gehe als des amerikanischen, schrieb J. D. Vance. «Ich bin es einfach leid, die Europäer wieder herauszuhauen.»

Sicherheitsberater Mike Waltz unterstrich, nur die USA seien militärisch in der Lage, den Schiffsverkehr in der Region zu sichern. Allerdings sollten sich die Europäer an den Kosten beteiligen. «Ich teile deine Verachtung für europäisches Trittbrettfahren.» Es sei «erbärmlich», wurde Verteidigungsminister Pete Hegseth deutlich.

Inhaltlich ist daran kaum etwas auszusetzen. Die Einschätzung der Amerikaner klingt realistisch und vernünftig.

Die Chat-Panne könnte also eine ähnlich klärende Wirkung entfalten wie der skandalisierte Empfang von Selenskyj im Weissen Haus: Die Trump-Regierung versetzt den schlafwandelnden Europäern einen Realitätsschock um den anderen. Mit freiwilliger und unfreiwilliger Transparenz.

Und so, wie man die Beteiligten kennt – man denke nur an die aufrüttelnde Rede von J. D. Vance in München –, würden sie keine Sekunde zögern, das, was sie jetzt im vermeintlich kleinen Kreis sagten, auch öffentlich genauso zu sagen.