Schritt für Schritt aus der Krise

Fritz Vahrenholt: Die grosse Energiekrise – und wie wir sie bewältigen können. Langen Müller. 208 S., Fr. 29.90

Die Lageanalyse des Autors zu Beginn des Buchs ist elektrisierend: «Wir stehen weltweit am Anfang einer Energiekrise, die die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand der Nationen auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte prägen wird.» Fritz Vahrenholt, vom Fach her Chemiker, dann als Umweltsenator Hamburgs auch Politiker und schliesslich bei Shell Deutschland und RWE Energiemanager, argumentiert aus reicher Erfahrung, wenn er darlegt, wie Investitionen in fossile Energieformen nun lange Zeit vernachlässigt, ja gedrosselt wurden, weil die Klimapolitik CO2-Reduktionen forderte.

Und was erreichte die alternative Energieproduktion aus Wind- und Sonnenkraft derweil bis 2020? Nicht einmal 3 Prozent der gesamten Primärenergie, und dies nach einer Verzehnfachung seit 2010. Energie ist knapp und teuer geworden: Warum? Vahrenholt: Wegen der Politik, nicht weil Kohle, Öl und Gas zur Neige gehen. Nein, die Politik fordere die Dekarbonisierung, es gehe in Richtung Öko-Staat.

Vahrenholt geht es aber vor allem um die Bewältigung der Krise. Er umreisst ein Programm mit zwanzig Schritten, etwa in Richtung CO2-freier Kohletechnologie, Sequestrierung, Kernkraftwerke nächster Generationen, Aufhebung des Fracking-Verbots in Deutschland, Subventionsstopp für E-Mobilität, Revival von Verbrennungsmotoren und mehr. Ziel müsse eine sichere, preiswerte und umweltfreundliche Energieversorgung sein.

 

Kampfzone Heizung

Peter Breitinger: Faszination Wärmepumpe. Schritt für Schritt unabhängig von Öl und Gas. 99 S., etwa Fr. 14

Wärmepumpen sollen Öl- und Gasheizungen ersetzen, die via Politikanordnung bald aus den Gebäuden verbannt werden sollen, in Deutschland noch früher als in der Schweiz. Technisch sind sie ein Hauptinstrument der sogenannten Energiewende. In der aufgeheizten Stimmung wird ein Buch, das Wärmepumpen verständlich erklärt, auf Interesse stossen – vor allem wenn der Autor ein Profi aus der Branche ist.

Peter Breitinger erläutert die Wirkprinzipien einer Wärmepumpe und die verschiedenen Typen denn auch so, dass Laien den Ausführungen weitgehend folgen können. Ganz grob: Wärmepumpen funktionieren wie umgekehrte Kühlschränke und liefern etwa fünfmal so viel Wärmeenergie, wie man als Betriebsenergie hineinsteckt. Es mutet fast an wie ein genialer Multiplikator. Historisches ist ebenfalls informativ, etwa der Hinweis, dass die Schweiz und Österreich Pioniere waren und beispielsweise das Zürcher Rathaus 1938 mit einer Wärmepumpe geheizt wurde.

Insgesamt wird die Wärmepumpe aber in rosigem Licht präsentiert: Es sei eine nachhaltige, unerschöpfliche, saubere Energiequelle. Es kommt nicht zur Sprache, wie belastend die Produktion des Stroms allenfalls ist, den die Pumpe braucht. Der deutsche Strommix ist ja besonders CO2-lastig, also nicht «sauber».

Eingestreute Zitate deutscher Politiker zum Klimawandel deuten darauf hin, dass der Autor auf der Regierungslinie liegt.